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Manfred Krellenberg

ZOLL

Ein paar Worte zuvor: dass sich hier, auf einer Homepage, welche sich in erster Linie mit Marine-Historie bzw. dem Minenschiff JUMINDA befasst, eine Rubrik zum Thema "Innerdeutsche Grenze bei Lübeck" befindet, ist zumindest auf den ersten Blick "irritierend". Die vielen hier publizierten Grenz-Fotos/Dokumente hätten es verdient, auf einer gesonderten Web-Präsenz gezeigt zu werden. Die Grenze war Teil meines Lebens und sie wird mich bis zum Ende meiner Tage begleiten, auch wenn es sie - glücklicherweise - nicht mehr gibt.  

Mitten durch Deutschland, von der Ostseeküste bei Lübeck bis in den Raum Hof in Bayern, zog sich eine rund 1393 Kilometer lange Grenze. Sie durchschnitt Ortschaften, trennte Familien, unterbrach Verkehrswege und zerstörte einheitliche Wirtschaftsräume ebenso wie historisch gewachsene regionale und politische Einheiten.

Der Grenzbereich zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg erstreckte sich auf eine Länge von ca. 136 Kilometern. Lübeck lag als einzige deutsche Großstadt direkt an der Trennlinie zwischen West und Ost bzw. den Machtblöcken NATO und Warschauer Pakt. Durch die Teilung Deutschlands in Besatzungszonen verlor die Hansestadt Lübeck nach Ende des Zweiten Weltkriegs einen großen Teil ihres "Hinterlandes".    


Das nachfolgend Gezeigte möchte Ihnen einige informative Einblicke in den ehemaligen Grenzraum Lübeck geben. Viele Bilder wurden von mir selbst gemacht und/oder stammen - sofern nicht anders vermerkt - aus der Sammlung des Zollkommissariats Lübeck-Süd, dessen Angehöriger ich von 1983 bis 1990 war. Luftbildaufnahmen wurden aus einem Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes (BGS) gefertigt.

Der seinerzeit von der Grenzschutzabteilung Küste 1 und vom Zollkommissariat Lübeck-Süd zu überwachende Grenzabschnitt erstreckte sich von der Ostseeküste beim Priwall bis zur Nordspitze des Ratzeburger Sees bei Rothenhusen.

Die hier präsentierten Bilder zeigen diesen Raum von Nord (Ostsee) nach Süd (Richtung Ratzeburger See). Wiederverwendung / Publikation in anderen Medien/Homepages ohne Genehmigung nicht zulässig. Ggf. kontaktieren Sie mich bitte über Mail mkrelle@t-online.de

Priwall

Oben und unten: die 1985 aufgenommenen Bilder zeigen einen Teil des Grenzbereichs auf dem Priwall (eine etwa drei Kilometer lange Halbinsel an der Mündung des Flusses Trave. Der Priwall gehört seit 1226 zum Ortsteil Travemünde der Hansestadt Lübeck).


Unweit von hier, ca. 600 Meter südlich des Ostseestrandes, wurde am 27.11.1952 Frau Elsbeth Jurkowsky erschossen. Nähere Informationen unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Jurkowsky_Elsbeth/index.html

um 1985

An der Grenze beim Priwall-Strand. Rechts, auf bundesdeutscher Seite, genießen Menschen die Sonne und das Meer. Ein paar Meter weiter östlich herrscht "gähnende Leere". Jenseits der Grenze, auf DDR-Gebiet, sind bestimmte Angehörige der DDR-Grenzüberwachungsorgane in diesem Raum die einzigen Leute, die sich hier im Grenzbereich an der Ostsee aufhalten dürfen. Untere und obere Richtbake bei der Grenzlinie sind in diesem Bild gut zu erkennen (Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ).

Obwohl auf den Verlauf der Grenze deutlich sichtbar hingewiesen wurde (u.a. durch diverse Schilder HALT HIER GRENZE) überquerten auch hier immer wieder Menschen die Grenzlinie und begaben sich auf DDR-Gebiet. Bundesgrenzschutz und Zoll berichteten in ihren monatlichen "Lagen" davon. Betreffend August 1986 hielt man u.a. schriftlich fest:

8/1986

Vorbildlich verhielt sich im August 1987 ein Surfer, dem das Segel auf DDR-Gebiet geweht war. Statt einfach nach "drüben" zu gehen (und damit den Verlauf der Grenze zu missachten), um das Segel zu holen, bat er bundesdeutsche Grenzüberwachungsorgane um Hilfe. Mit Erfolg:


unten: Ausschnitt aus einem Modell, welches jahrelang an der innerdeutschen Grenze auf dem Priwall stand und welches sich heute in der Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup befindet



7 Tonnen markierten die Seegrenze vom Priwall in Richtung Ostsee.
Die gelben Grenztonnen "Grenze 1, 2, 5 und 7" hatten eine Befeuerung (Leuchttonnen mit gelbem Blitz).
Die gelben Grenztonnen "Grenze 3, 4 und 6" waren unbefeuerte Bakentonnen. Das im Bild zu sehende Seezeichen - die Tonne "3" -befindet sich heute beim Kontrollturm der Verkehrszentrale Travemünde des WSA Lübeck. Nähere Informationen hier:
http://baken-net.de/travemuende_grenzbaken.htm

Auch im Bereich der Lübecker Bucht registrierten Bundesgrenzschutz und Zoll zahlreiche "Nichtbeachtungen des Grenzverlaufs". Dass die Bootsbesatzungen sich jedoch bis direkt ans mecklenburgische Ufer begaben, kam nicht oft vor:


bei Barendorf

Barendorf

Ostseestrand


Es ist gegen 16.15 Uhr des 8.7.2017, als ich mich am Strand der Ostsee bei Barendorf befinde. Ich schaue nach „drüben", in Richtung Lübeck-Travemünde. Niemals zuvor in meinem Leben war ich dort, wo ich nun stehe. Für einige Augenblicke lasse ich mich "fallen". Und ich versuche, mich in die Zeit vor der "Wende" und einen Menschen, der in der DDR geboren wurde, zu versetzen. Ob vielleicht auch ich vom Wunsch beseelt gewesen wäre, die Deutsche Demokratische Republik zu verlassen? Und wenn ich es nun bis hierhin geschafft hätte, wie wäre es „weiter" gegangen? Ob ich es tatsächlich gewagt hätte, in die Ostsee zu gehen? Hätte mich die niedrige Temperatur des Wassers zur Strecke gebracht, wären es meine begrenzten körperlichen Kräfte gewesen? Oder hätten Einheiten der Grenzbrigade Küste / Volksmarine / DDR-Grenztruppen meine Flucht entdeckt und entsprechende „Maßnahmen" eingeleitet?
Ich sehe das Hotel „Maritim" in Lübeck-Travemünde. „Drüben" ist so nah – und doch so fern!  Und ich denke an all Jene, die damals ihr Leben verloren, beim Versuch „westwärts" zu gelangen.
Die Ostsee wurde für viele Menschen zum Grab. Ob gegen Ende des Zweiten Weltkriegs oder zu Zeiten des „Kalten Kriegs".
Sie alle dürfen niemals vergessen werden.

Zum Gedenken

unten: Trotz der großen Gefahren wagten immer wieder DDR-Bürger die Flucht über die Ostsee in die Freiheit. Zoll und Bundesgrenzschutz nahmen jeden bekannt gewordenen Fall (beispielhaft genannt sind die nachfolgend genannten Fluchten) in die monatliche "Grenzlage" auf.

1963


1984

1987

1988

1988

Richtbake

Foto oben: Die untere Richtbake an der Grenze beim Priwall-Strand (fotografiert am 03.02.1990). Nähere Informationen zu den Richtbaken hier: http://baken-net.de/travemuende_grenzbaken.htm

Priwall 3.2.1990

3.2.1990

3.2.1990

3.2.1990

3.2.1990

3.2.1990


3.2.1990



Erklärungen zu obiger Karte: 01 = Grenze am Priwall-Strand / 51 = Holzpodest der DDR-Grenztruppen / 52 = Beobachtungsturm viereckig (BTv) der DDR-Grenztruppen / 53 = Beobachtungsbunker der DDR-Grenztruppen / 54 = Beobachtungsturm BTv (Führungsstelle) der DDR-Grenztruppen / 55 = Beobachtungsbunker der DDR-Grenztruppen / 56 = Beobachtungsbunker der DDR-Grenztruppen / 57 = Beobachtungsturm BT(r) bei Einfahrt zum Dassower See / 58 = Beobachtungsbunker südöstlich Volkstorf / 59 = Beobachtungsturm (BTv) der DDR-Grenztruppen nordwestlich Dassow / 60 = Beobachtungsbunker der DDR-Grenztruppen westlich Dassow / 61 = Beobachtungsturm (BTv) der DDR-Grenztruppen westlich Dassow / 62 = Beobachtungsturm BTv (Führungsstelle) der DDR-Grenztruppen südwestlich Dassow / 63 = Beobachtungsturm BT(r) der DDR-Grenztruppen nordöstlich Zarnewenz / 64 = Beobachtungsturm BTv der DDR-Grenztruppen östlich Teschow

1982

oben: Angehörige der GASt A Lübeck, Zollanwärter, unweit eines Beobachtungsbunkers der DDR-Grenztruppen an der Pötenitzer Wiek


Grenzraum bei Pötenitzer Wiekbei Pötenitz

Pötenitz


oben: Das im Jahr 1985 aufgenommene Farbfoto zeigt die Einfahrt von der Pötenitzer Wiek in den Dassower See. Mancher "Republikflüchtige" schaffte es hier oder in der näheren Umgebung, die Grenzsperranlagen der DDR zu überwinden und in den Dassower See - den "Westen" - zu gelangen. Fischerboote  oder Kräfte des Zolls/BGS nahmen diese Leute dann auf und brachten sie in Sicherheit.

Ein Fluchtversuch mit Todesfolge ereignete sich am 28. August 1962 im Raum der Pötenitzer Wiek. Werner Dobrick starb, nachdem er die DDR verlassen und sich in das zur Bundesrepublik Deutschland gehörende Gewässer begeben hatte. Siehe hierzu http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Dobrick_Werner/index.html

Am 20.August 1965 verlor der damals 30-jährige Horst Ristau in der Pötenitzer Wiek sein Leben; er ertrank kurz nachdem er hier die DDR verlassen hatte. Nähere Informationen unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Ristau_Horst/index.html

Auch an Manfred Kerbstat soll erinnert werden. Er verlor am 12. Februar 1968 aufgrund Unterkühlung sein noch so junges Leben im Bereich der Pötenitzer Wiek. Siehe hierzu http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Kerbstat_-Manfred/index.html  Im Zuge dieses Fluchtversuchs starb auch Hans-Georg Steinhagen am 12.Februar 1968 an Unterkühlung. Siehe hierzu http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Steinhagen_Hans-Georg/index.html

Detlef Bremer war vermutlich der letzte DDR-Flüchtling, welcher im Raum der Pötenitzer Wiek ertrank. Sein Leben endete am 07. Mai 1988. Nähere Informationen unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Bremer_Detlef/index.html


oben: Blick in Richtung Johannstorfer Spitze. Rechts führt der Kolonnenweg Richtung Priwall  (ca. 1 km)

Dassow

oben: Wer glaubt, dass es eine "Mauer" nur in Berlin gab, irrt - es existierten auch entlang der innerdeutschen Grenze Abschnitte, wo eine Mauer stand (vielfach aus Sichtschutzgründen), so auch bei Dassow.  Die Bewohner dieser Ortschaft mussten viele Jahre lang mit "ihr" und den anderen Grenzsperranlagen leben.

Dassow

12/1987

Dassow


oben: Bei diesem Beobachtungsturm (BT) der DDR-Grenztruppen südwestlich Dassow handelte es sich um einen "Führungspunkt" / "FP" (Bezeichnung bei westdeutschen Grenzüberwachungsorganen) bzw. um eine "Führungsstelle" / "FÜSt" (Bezeichnung bei Grenzüberwachungsorganen der DDR). Diese BT wurden zur Koordination und Führung des jeweiligen Grenzabschnitts als Teil der Grenzsperranlagen entlang der innerdeutschen Grenze errichtet. Der Turm einer Führungsstelle wurde aus quadratischen Betonfertigteilen (4 x 4 m Grundriss) gefertigt. Hier liefen die Alarme aus den Grenzabschnitten auf und von hier aus wurde die "Alarmgruppe" zur weiteren Unterstützung der Grenzposten vor Ort in Bewegung gesetzt. Durch den zuständigen  Kommandeur der Grenzsicherung (KGSi) wurden Maßnahmen eingeleitet und koordiniert.


Erklärungen zu obiger Karte: 65 = Beobachtungsturm (rund) / BT(r) der DDR-Grenztruppen nordwestlich Teschow / 66 = BT(r) der DDR-Grenztruppen südwestlich Teschow / 67 = BT(r) der DDR-Grenztruppen nordwestlich Selmsdorf / 06 = Parkplatz Stülper Huk

In diesem Grenzbereich verlor am 25. September 1950 der am 27.11.1929 in Lübeck geborene Herbert Muhs sein Leben. Mit einem Schlauchboot paddelte er bei Dummersdorf über die Trave, um bei Bauern auf der Ostseite Lebensmittel zu besorgen. Am mecklenburgischen Ufer angelangt, entdeckten ihn DDR-Grenzposten und eröffneten das Feuer, als er zu flüchten versuchte. Nähere Informationen unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Muhs_Herbert/index.html


oben: Grenzabschnitt 1 bei Teschow: Flucht zweier DDR-Bürger in die Bundesrepublik Deutschland am 3.8.1986. Beide kehrten etwas später wieder in die DDR zurück.


oben: diese Karte (Quelle: Museum der Bundespolizeiakademie in Lübeck) zeigt den Verlauf der Grenze (rot). "Blau" markiert ist der Verlauf des Metallgitterzauns, "grün" der Verlauf des Schutzstreifen- bzw. Grenzsignalzauns. Die Markierung in "weißer Farbe" verdeutlicht den Beginn der "Sperrzone" bzw. des "Sperrgebiets"



oben: Ausschnitt aus einer alten Karte. Rot markiert ist der Verlauf der Grenze zur DDR im Raum Lübeck-Schlutup bzw. der Schlutuper Wiek. Siehe hierzu auch die folgenden Fotos aus diesem Grenzbereich. Am 23.07.1956 ereignete sich in diesem Raum ein tödlicher Grenzzwischenfall. Erich Bebensee hieß jener Mann, der die DDR verlassen wollte und sich bereits in der Schlutuper Wiek und damit auf Bundesgebiet befand, als er von DDR-Grenzpolizisten erschossen wurde. Nähe Informationen unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Bebensee_Erich/index.html

In der Trave bei Lübeck-Schlutup ertrank in der Nacht vom 13. auf den 14. November 1959  Herr Hans-Joachim Pfleger. Nähere Informationen unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Pfleger_Hans-Joachim/index.html



oben: Fotoaufnahmen aus der Zeit um 1970


oben: Beamter des Bundesgrenzschutzes blickt in Richtung eines DDR-Beobachtungsturmes bei der Schlutuper Wiek (Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ)


oben: BT 11 bei der Schlutuper Wiek (Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ)


oben: alter und neuer Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen bei der Schlutuper Wiek (Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ)


oben: BT 11(r) bei der Schlutuper Wiek hat ausgedient und liegt "flach" (1990) - Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ


oben: Blick vom DDR-Beobachtungsturm "Rotes Haus" (siehe Punkt "69" auf der nachfolgenden Karte) in Richtung Schlutuper Wiek


oben: Erklärungen zu obiger Karte: 68 = Beobachtungsturm BTv Führungsstelle der DDR-Grenztruppen nordöstlich GÜSt Selmsdorf / 69 = Beobachtungsturm BT(r) nördlich GÜSt Selmsdorf / 70 = Beobachtungsturm BTv (Führungsstelle) nördlich Lauen / 71 = Beobachtungsbunker der DDR-Grenztruppen nördlich Lauen / 72 = Beobachtungsturm BT(r) westlich Lauen / 73 = Beobachtungsturm BTv der DDR-Grenztruppen südwestlich Lauen


oben: der Grenzraum bei der Grenzübergangsstelle (GÜSt) Selmsdorf zu Beginn der 1970er-Jahre

1953


oben: GÜSt Selmsdorf Anfang der 1970er-Jahre


oben: GÜSt Selmsdorf Anfang der 1970er-Jahre


oben: Ende der 1960er-Jahre: Links ist das Gebäude der Grenzkompanie Selmsdorf zu sehen. Rechts davon, an der Straße, das ehemalige Forsthaus. Hier waren zu früherer Zeit russische Grenzposten und die Deutsche Grenzpolizei untergebracht.


oben: Antennenanlagen bei Selmsdorf Mitte der 1980er-Jahre . Im unteren Teil des Bildes ist unten links ein "Prayer Wheel" zu sehen. Auf dem Gittermast ist ein Rundstrahler (NATO-Code: "Broom Stick") zu erkennen. Antenne Rundstrahler, DDR-Bezeichnung: UAZ 771.
Für den Bereich 0,7m. Funktechnik UFT 700er-Serie.
Verschiedene Ausführungen von Yagi-Antennen, am Gittermast wie an den Antennenträgern, für die entsprechenden M-Bereiche, ebenso Breitbandantennen. Ausgerichtet in die entsprechenden Abstrahlrichtung der Gegenseite.


oben: Grenzraum Lübeck-Schlutup / Selmsdorf im Jahr 1985. Im Hintergrund ist die GÜSt Selmsdorf zu sehen



oben: beim Grenzübergang Lübeck-Schlutup /Selmsdorf


oben: beim Grenzübergang Lübeck-Schlutup/Selmsdorf

1960

oben: Zur Zeit der Öffnung des Grenzübergangs zwischen Lübeck-Schlutup und Selmsdorf (1.3.1960) verwendeten die vor Ort eingesetzten Beamten der Bundeszollverwaltung dieses Fahrzeug mitsamt Anhänger für die Grenzabfertigung. Die im nachstehenden Bild zu sehende 1961 gebaute Baracke, welche dann von Zoll und Bundesgrenzschutz / Grenzschutzeinzeldienst für die Grenzabfertigung genutzt wurde, war da schon etwas "komfortabler".



Als das oben gezeigte Foto entstand (um 1970), mussten sich die westdeutschen Grenzbeamten, welche die Grenzabfertigung/Grenzkontrolle am Grenzübergang Lübeck-Schlutup /Selmsdorf  vornahmen, noch mit einer behelfsmäßigen Unterkunft begnügen (siehe den markierten Bereich im Bild). Später wurde eine neue Grenzkontrollstelle errichtet - dort, wo sie entstand (siehe nachstehendes Bild), befindet sich heute die Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup.

um 1970


oben: Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup e.V. (Foto: Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup e.V.) Nähere Informationen unter www.grenze-luebeck.de



1979

1981

oben: Grenzkontrollstelle Lübeck-Schlutup im März 1981


Grenzkontrollstelle Lübeck-Schlutup


Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden alle Straßen- und Bahnlinien an der "SBZ-Demarkationslinie" im Raum Schleswig-Holstein geschlossen.
Ausnahme: Der Landstraßenübergang Lübeck-Schlutup /Selmsdorf. Dieser wurde durch britische und sowjetische Truppen bis zum 15.07.1947 für den Durchgangsverkehr offen gehalten

15.7.1947    a.) Übergang Lübeck-Schlutup geschlossen

                   b.) Öffnung des Straßenübergangs Lübeck-Eichholz

20.5.1949:  Zollgrenzdienst übernimmt Sicherung der Demarkationslinie unter britischer Aufsicht

15.9.1949:  Errichtung GKSt Lübeck-Eichholz, bis dahin Wahrnehmung der Aufgaben durch Grenzaufsichtsdienst (des Zolls)

1.3.1960: Errichtung der GKSt Schlutup als nördlichster Übergang an der Grenze zur DDR
1961: Baracke als Provisorium für Zollabfertigung und Grenzschutz-Einzeldienst gebaut

August 1972: Inbetriebnahme der neuen Abfertigungsanlagen GÜSt Selmsdorf (DDR)

1973: Büro-Container aufgestellt

1973/1974:  Entscheidung des Bundesfinanzministeriums über Neubau nach Inkrafttreten des Grundlagenvertrages

1976: endgültige Baugenehmigung

30.11.1979: Einweihung der Grenzkontrollstelle Schlutup um 11.00 Uhr

Unten: Zur Geschichte von Lübeck-Schlutup bzw. der dortigen Grenzkontrollstelle ein interessanter Artikel von Horst Nawroth, seinerzeit veröffentlicht im Gewerkschaftsmagazin 2/1962 "Der Zollbeamte zwischen Nord-und Ostsee"

Zur Geschichte der GKSt Lübeck-Schlutup

Zur Geschichte der GKSt Lübeck-Schlutup

Zur Geschichte der GKSt Lübeck-Schlutup

Zur Geschichte der GKSt Lübeck-Schlutup

Zur Geschichte der GKSt Lübeck-Schlutup

Zur Geschichte der GKSt Lübeck-Schlutup

Luftballon-Aktion an der Grenze bei Lübeck-Schlutup


oben: Video "Grenzöffnung November 1989 bei Lübeck-Schlutup". Zum Abspielen des Videos obiges Bild anklicken.


oben: In den Tagen nach der Grenzöffnung staute sich der Verkehr in Richtung Bundesrepublik Deutschland auch beim Grenzübergang Selmsdorf / Lübeck-Schlutup auf einer Länge von vielen Kilometern. Zigtausende DDR-Bürger hatten sich aufgemacht, um von den "Reiseerleichterungen" Gebrauch zu machen. Obiges Bild wurde am 12.11.1989 aus einem Hubschrauber des BGS gefertigt und zeigt einen kleinen Teil der augenscheinlich unendlichen Wagenkolonne aus "Trabis", Wartburgs etc. (Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ)


oben und unten: Grenzübergang Lübeck-Schlutup am 12.11.1989 (Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ)


Video

oben: Video zum 25. Jahrestag der Grenzöffnung beim Grenzübergang Lübeck-Schlutup (Bild anklicken)




oben: Grenze beim "Voßbergbogen" im Raum Lübeck-Schlutup. Der Grenzpfad unweit der Grenzlinie ist zu erkennen. Fotosammlung Gerd Wilcken, BUNDESGRENZSCHUTZ

1975

oben: Beobachtungshochstand der DDR-Grenztruppen im Grenzraum gegenüber Voßbergbogen / Lübeck-Schlutup. Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ

Grenzbereich südlich der Grenzkontrollstelle Lübeck-Schlutup um 1970um 1970

oben: Grenzbereich südlich der Grenzkontrollstelle Lübeck-Schlutup. 

Grenzraum bei Selmsdorf südlich der F104um 1970

oben: Raum Selmsdorf, südlich der F104. Rechts ist ein hölzerner Wachturm der DDR-Grenztruppen zu erkennen

grenzbereich bei Lübeck-Schlutup um 1970um 1970

Lübeck-Schlutup um 1970

Grenzbereich bei Lübeck-Schlutup um 1970um 1970

1985

oben: der Grenzbereich "An der Landesgrenze" / "Stumpfer Weg" bei Lübeck-Schlutup. 


oben: Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen im Grenzraum bei Lübeck-Schlutup unweit Lüdersdorfer Weg


Grenze am Lüdersdorfer Weg bei Lübeck-Schlutup. Fotosammlung Gerd Wilcken, BUNDESGRENZSCHUTZ

Schautafel des Zolls an der Grenze bei Lübeck-Schlutup Lüdersdorfer Weg

oben: die Bundeszollverwaltung war bemüht, die Besucher der Grenze mit "Informationen/Hinweisen" zu versorgen. Auch bei Lübeck-Schlutup, am Lüdersdorfer Weg, stand eine Schautafel. Diese "Kästen" fanden nicht nur Interesse bei den unzähligen Gästen aus dem In-und Ausland, sondern auch bei den Grenzorganen der DDR. Ein Soldat der DDR-Grenztruppen, vermutlich ein "Grenzaufklärer", lichtete am 8.7.1987 den Schaukasten des Hauptzollamts Lübeck-Ost / Zollkommissariats Lübeck-Süd, am Lüdersdorfer Weg ab. Das Bild wurde auf der Rückseite mit einem "Auswertungsvermerk" versehen und an vorgesetzte Dienststellen (letztlich auch an die "Staatssicherheit") weitergeleitet. 

1985

oben: Grenzraum beim Lüdersdorder Weg in Lübeck-Schlutup

1985

oben: Ruine Wasserwerk gegenüber Lüdersdorfer Weg / Lübeck-Schlutup. 
Bis zum 31.12.1949 hat das Wasserwerk für die Stadtwerke Lübeck noch Wasser geliefert und die Schlutuper Siedlung versorgt. Ab 1950 wurde das Wasserwerk vom Kommunalwirtschaftsunternehmen Schönberg übernommen. 1950/1951 wurden sämtliche Aggregate, Armaturen, Schalter, Kessel, Pumpen etc.  demontiert und in das neu errichtete Wasserwerk Schönberg verlagert .
Im Zuge der Errichtung der neuen B104 (1990-1992) wurde das alte Wasserwerksgebäude abgerissen.

um 1970

oben: Lüdersdorfer Weg in Lübeck-Schlutup um 1970


oben: die alte Karte zeigt den Grenzverlauf im Raum Lübeck-Schlutup bis südlich der Bahnline Lübeck-Bad Kleinen bei Herrnburg. Von Hand wurde der Verlauf des doppelreihigen Metallgitterzauns (Zwischenraum vermint) eingezeichnet. In Verbindung mit dem im Anschluss publizierten Bild ist u.a. zu erkennen, dass das Minenfeld gegenüber Lübeck-Schlutup unweit des Schwarzmühlenteiches bzw. in Nähe der Wasserwerk-Ruine begann.



Ungefähr 1.322.700 Stück Erd- und Bodenminen hatte die DDR seit 1961 an bestimmten Bereichen der ca. 1378 Kilometer langen Landgrenze verlegt. Im Raum gegenüber von Lübeck geschah das erstmals im August 1962. Zu den Minenopfern, die schließlich zu beklagen waren, gehörte sogar ein Elch (im Herbst 1970 bei Herrnburg).
Die 1962 verlegten Holzkastenminen verrotteten jedoch relativ schnell und wurden - soweit noch vorhanden (nicht wenige waren zuvor durch Schneelast oder Tiere bereits explodiert) - schließlich
gesprengt, um Platz zu schaffen für jene Sprengstoffträger, die aufgrund ihres Materials (Plastik bzw. Duroplastik oder Polyäthylen) eine längere Lebensdauer garantierten. Zwischen 1968 und 1979 verlegten speziell ausgebildete Angehörige der DDR-Grenztruppen Minen der Typen PMN, PMP-71 und PPM-2 im Grenzraum Herrnburg.


oben: Grenzverlauf beim Schwarzmühlenteich


oben: Die Grenzaufsichtsstelle(n) Schlutup des Zollkommissariats Lübeck-Süd befand(en) sich damals im Haus "Schwarze Heide 10" (unten rechts im Foto). Dort gab es auch Zwinger für Zollhunde. Oben im Bild ist der Schwarzmühlenteich zu erkennen.

Lübeck-Schlutup um 1970um 1970

Lübeck-Schlutup um 1970um 1970

oben: Grenzbereich Speckmoorstraße / Palinger Weg um 1970

Lübeck-Schlutup um 1970um 1970

oben: Lübeck-Schlutup im Bereich Ecke Wesloer Landstraße / Speckmoorstraße. Gut erkennbar sind einige Gebäude der früheren DWM (Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken). Nähere Infos hierzu finden Sie auf der Webseite http://www.dwm-schlutup.de/

DWM

oben: Werkzeugmarke der DWM Lübeck


oben: der Grenzabschnitt "2"


oben: Hubschrauber „Mi-2" der DDR. Luftfahrzeuge dieses Typs sowjetischer Bauart wurden von der DDR relativ häufig an der Grenze eingesetzt. Vielfach auch „Mi-8" und „Mi-24".
Bundesgrenzschutz und Grenzzolldienst hatten bei Sichtung die Aufgabe, diese Flüge an die Sprechfunkzentrale zu melden. Typ, Nationalität und Flugrichtung mussten genannt, Flughöhe und Abstand zur Grenze mussten geschätzt werden. Falls die Bordnummer des Hubschraubers zu erkennen war, hatte auch diese übermittelt zu werden.

Auch sowjetische Hubschrauber waren gelegentlich im Grenzraum unterwegs. Es kam sogar vor, dass diese die Grenze überflogen und den Luftraum der Bundesrepublik Deutschland verletzten. So am 26.08.1986, als eine "Mi 24" südlich von Lübeck-Schlutup westwärts flog:



oben: Die Lübecker Nachrichten berichteten in ihrer Ausgabe vom 27.08.1986 über den über Bundesgebiet fliegenden Hubschrauber "Mi 24"


oben: Zoll und Bundesgrenzschutz bilanzierten im Lagebericht für den Monat September 1987 insgesamt 33 Hubschraubereinsätze von Kräften des Warschauer Pakts an der innerdeutschen Grenze im Bereich gegenüber von Grenzschutzkommando Küste / Hauptzollamt Lübeck-Ost


oben: Grenzraum bei den "Schwedenschanzen". "74" = Beobachtungsturm BT (r) der DDR-Grenztruppen nordwestlich Palingen


oben: Grenzknick nordwestlich Palingen. Oben links im Bild der Lübecker Stadtteil Schlutup. Aufnahme aus der Zeit um 1970


oben: der BT 11 nordwestlich Palingen. Aufnahme aus der Zeit um 1970. Gut zu erkennen ist der doppelreihige Metallgitterzaun (Zwischenraum vermint).

1985

oben: Beobachtungsturm BT 11 beim Grenzknick nordwestlich Palingen. Blick in Richtung Süden

um 1969

oben: Grenzknick nordwestlich Palingen. Blick in Richtung Süden

um 1970

oben: Alte Försterei (heute: Holzhof Wesloe) in Lübeck um 1970

um 1970

oben: Grenzraum bei der Waldschule Wesloe (um 1970)

um 1970

oben: die Waldschule Wesloe in Lübeck um das Jahr 1970 herum

um 1970

oben und unten: Bereich "Schießbahn" südöstlich der Waldschule Wesloe.  Siehe hierzu auch http://www.luebeck-buechener-eisenbahn.de/index.php/das-forum/lbe-galerie/strecken-bebaeude-sonstiges/111-die-muna-in-moelln-und-andere-ruestungsbetriebe

und http://www.dwm-schlutup.de/

2018

18.3.2018

oben und unten: Relikt der früheren Schießbahn: Beton-Projektil-Fang

18.3.2018


Bundesdeutscher Zollbeamter geht in die DDR1959

oben: Kaum zu glauben, dass "das" passierte: ein bundesdeutscher Zollbeamter wechselte die Seiten und begab sich in die DDR. Soweit mir bekannt ist, kam er einige Zeit wieder zurück in die Bundesrepublik. Seinen "Job" beim Zoll war er allerdings für immer los...


oben: Schutzstreifenzaun (SSZ) bzw. Grenzsignalzaun (GSZ) nordwestlich Palingen


oben: die Karte (Quelle: Museum der Bundespolizeiakademie in Lübeck) verdeutlicht u.a., wo das darüber zu sehende Bild örtlich gesehen einzuordnen ist

Tunnel


oben und unten: Im Grenzbereich zwischen Palingen (DDR) und Lübeck gab es einen unterirdischen Tunnel, der zum "Schleusen" von Personen benutzt wurde. Der Tunnel wurde schon bald nach Öffnung der Grenze ausgegraben und entfernt. Dort, wo er sich befand, erinnert heute nichts mehr an dessen damaliger Existenz.

18.3.2018

oben: Bereich beim ehemaligen Tunnel. Blick von Ost nach West

18.3.2018

oben: Bereich beim ehemaligen Tunnel. Blick von West nach Ost


oben: Bau des Tunnels im Grenzraum bei Palingen. Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ


oben: Wenige Meter südlich des (damaligen) Tunnels im Grenzraum bei Palingen befindet sich dieses Gewässer. Es ist westlich der damaligen DDR-Grenzsperranlagen gelegen, aber noch auf früherem DDR-Gebiet. Manchmal angelten dort "Leute"; es waren in der Regel Angehörige des Ministeriums der Staatssicherheit der DDR, die sich hier, nur wenige Meter von der innerdeutschen Grenze entfernt, aufhielten.

Ein paar Meter weiter westlich ist ein FKK-Gelände (siehe untere Fotos)

18.3.2018

oben: Brücke über den Landgraben nördlich FKK-Gelände. Blick von West nach Ost


Für die Angehörigen der Grenzaufsichtsstelle Eichholz (des westdeutschen Grenzzolldienstes) stellte die Nordspitze des "FKK-Geländes" den nördlichsten Punkt des Bereiches dar, den sie zu bestreifen hatten. Von dort bis zur Wakenitz erstreckte sich der Bezirk, den die Zollbeamten bei Tag und Nacht zu überwachen hatten. Für das abgezäunte Gebiet des FKK-Geländes hatte der Grenzzolldienst Schlüssel. Beamte konnten sich so zu jeder Zeit Zutritt verschaffen und auch dort nach dem "Rechten" schauen.

Der östliche Rand des im Bild zu erkennenden Grabens stellte damals die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik dar.


oben: Eingangstor zum FKK-Gelände. Aufnahme vom 18.03.2018

Zurück auf die "östliche Seite" der Grenze. Unteres Bild zeigt einen Beobachtungsbunker bzw. eine "Beton-Brüstung" der DDR-Grenztruppen. Diese(r) befand sich südöstlich des "FKK-Geländes" in der Palinger Heide am Kolonnenweg zwischen dem jetzigen Standort des Gedenksteins für den Grenzpolizisten Siegfried Apportin und dem seinerzeit für Schleusungen genutzten Tunnel. Wer als Spaziergänger dort vorbeikommt, sieht nur noch einen mit Gras bewachsenen Erdhügel; der Bunker bzw. die Brüstung selbst steht längst nicht mehr.

Mai 1984

März 2018

Aufnahme vom 18.03.2018. Auf dem Erdhügel stand der Bunker  bzw. die Beton-Brüstung der DDR-Grenztruppen. Hier war damals der erste Postenpunkt der Grenzkompanie Palingen bei der Trennungslinie zur Grenzkompanie Selmsdorf

Dezember 1987

12/1987


Südlich des ehemaligen Beobachtungsbunkers bzw. der Betonbrüstung befindet sich unweit des "Kolonnenwegs" ein Denkmal für den getöteten Grenzpolizisten Siegfried Apportin. Er diente damals bei der Grenzpolizei /Volkspolizei (der DDR) und wurde am 02.07.1950 von einem anderen Angehörigen der "VP", der "Fahnenflucht" beging, im Grenzbereich bei Palingen erschossen. Siehe hierzu das von der Freien Universität Berlin Veröffentlichte unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Todesfaelle-im-Grenzdien/Apportin_Siegfried/index.html

Am 5. Oktober 1964 gab es im Grenzraum bei Palingen eine Detonation im Minenfeld. Sehr wahrscheinlich wurde die Explosion von Rudolf Reuter ausgelöst. Das Schicksal des Bundeswehrsoldaten blieb über längere Zeit ungeklärt. Nähere Informationen unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Reuter_Rudolf/index.html


Das obere Bild zeigt einen Teil des Kolonnenwegs und des einstigen Kontrollstreifens im Bereich der Palinger Heide. Die Aufnahme wurde am 26.04.1993 gefertigt. Zwanzig Jahre später, am 07.07.2013, wurde hier die 29-jährige Anna-Lena U. während des Joggens überfallen und getötet.


Dort, wo Anna-Lena U. ihr noch so junges Leben verlor, steht dieser Stein. Aufnahme vom 25.09.2016

um 1970

oben: Grenzraum in Höhe der "Kirschenallee" in Lübeck


oben und unten: Grenzbereich in Palinger Heide nördlich von Herrnburg

Vorkommnis im Grenzraum bei Palingen am 12.07.1985

1970

2016

oben und unten: Kolonnenweg in der Palinger Heide

2016

2016

2017

2018

2016

Im Bereich der Palinger Heide sind die Betonplatten des Kolonnenwegs noch gut zu erkennen. Früher fuhren Fahrzeuge der DDR-Grenztruppen auf ihnen, nun sind hier viele Spaziergänger unterwegs und finden Erholung. Aber aufgepasst: wer nicht Gefahr laufen möchte, auf eine Schlange zu treten, sollte seinen Blick gelegentlich vor die Füße richten. Nicht nur ungefährliche Ringelnattern gibt es hier; auch giftige Kreuzottern sind hier zu Hause (siehe nachfolgende Aufnahme vom 25.09.2016)

Kreuzotter

um 1970

Wechseln wir die Seite und blicken von Westen in Richtung Palinger Heide. Zum Gebiet, welches von den Angehörigen des Bundesgrenzschutzes und Grenzzolldienstes zu überwachen/bestreifen war, gehörte auch das oben gezeigte Waldstück nördlich von Lübeck-Eichholz. Zollhund-Führern war es gestattet, dort bei Nacht alleine unterwegs zu sein. Bei "Schneiders Wiesen" hatte der Zoll einen Beobachtungshochstand, welcher von den Streifen gelegentlich aufgesucht wurde.


oben und unten: der Bereich bei "Schneiders Wiesen" am 18.3.2018. Hier stand damals der Hochstand des Grenzzolldienstes


18.3.2018

oben: Brücke über den Landgraben bei "Schneiders Wiesen". Blick von Ost nach West. Aufnahme vom 18.03.2018

18.3.2018

oben: Der Landgraben unweit "Schneiders Wiesen". Blick in Richtung Süden bzw. Lübeck-Eichholz. Das ostwärtige Ufer des wasserführenden Landgrabens bildete hier die Grenzlinie; "links" war damals DDR-Gebiet 

Es gab Nächte, da waren im Grenzgebiet bei Lübeck-Eichholz mehrere westdeutsche Grenzstreifen im Einsatz. Bundesgrenzschutzbeamte postierten z.B. an der Abschrankung Lübeck-Eichholz/Herrnburg, eine Zollstreife hatte sich am Hochstand des Grenzzolldienstes an der Bahnlinie-Lübeck-Herrnburg niedergelassen. Für eine weitere Zollstreife (mit Diensthund) bedeutete das, auf jene Räume auszuweichen, die noch nicht „besetzt" waren. Entweder machte man sich auf in Richtung Wakenitz oder man begab sich nordwärts in Richtung "Schneiders Wiesen". Auf jeden Fall musste man nun bei tiefster Dunkelheit seinen Grenzdienst verrichten. Und die Wahrscheinlichkeit war dabei sehr hoch, auf Tiere zu treffen, denen man unter genannten Umständen eigentlich lieber nicht begegnen möchte – Wildschweine!

Ich erinnere mich daran, wie ich gelegentlich den würzigen Duft dieser „Schwarzkittel" in die Nase bekam, bevor ich es „grunzen" hörte. Und ich gestehe: mir wurde dann schon etwas „flau" im Magen… Statt wie die meisten anderen Menschen zu Hause im Bett zu liegen und zu schlafen, gehörte es zu meinen Pflichten, diese Wege auch zur Nachtzeit zu bestreifen.  Ein großes Glück, dass ich nicht alleine war! Was ich meinen Diensthunden ARCO und ARIE schulde ist mehr, als ich in der Lage wäre in die richtigen Worte zu fassen.

Und so denke ich an meine vierbeinigen Freunde – in Liebe und in Dankbarkeit. Ich hoffe auf unser Wiedersehen - wann, wo und in welcher Form das auch immer sein mag
.


oben: Manfred Krellenberg mit Zollhund ARIE - Oelgemälde von 1995


oben: Manfred Krellenberg mit Zollhund ARCO

Mai 1984

oben: Im Mai 1984: Angehörige der DDR-Grenztruppen - Grenzaufklärer - und eine Streife des Bundesgrenzschutzes (BGS) an der innerdeutschen Grenze im Raum nördlich Lübeck-Eichholz bei "Schneiders Wiesen". Im Gegensatz zu den Grenztruppen der DDR, die eine "Grenzsicherung" betrieben, überwachten BGS und Grenzzolldienst den ihnen zugeteilten Grenzbereich. Grenzschutz und Zoll sprachen sich bezüglich der Dienstverrichtung ab und sorgten dafür, dass immer mindestens eine Streife im Einsatz war. Bei Tag und bei Nacht. Ob auf dem Priwall, in Lübeck-Schlutup / Lübeck-Eichholz oder im Raum Groß Grönau: Zoll und Bundesgrenzschutz waren unterwegs und verrichteten auch unter schwierigsten Wetterbedingungen ihren Dienst


oben: Hundelaufanlage in der Palinger Heide beim Grenzsignalzaun (Fotosammlung Gerd Wilcken, BUNDESGRENZSCHUTZ). Zahlreiche Hunde mussten im Schutzstreifen ihren Dienst für die DDR-Grenztruppen verrichten – unter ausgesprochen widrigen Umständen.  Wer mehr über das (traurige) Leben dieser Tiere erfahren möchte, dem ist das Buch "Die Hundegrenze" (Autorin: Marie-Luise Scherer) zu empfehlen.

Im Grenzbereich gegenüber Lübeck gab es Ende 1987 drei Hundelaufanlagen und 103 Hunde / 103 Hütten. 

Die Grenzsperr- und Sicherungsanlagen gegenüber dem Grenzabschnitt der Grenzschutzabteilung Küste 1 bzw. dem Zollkommissariat Lübeck-Süd (Raum Priwall/Ostsee bis Nordspitze Ratzeburger See) mit Stand vom 23.12.1987:

Beobachtungstürme aus Beton               Anzahl: 26

Erdbunker aus Betonfertigteilen             Anzahl: 6

Betonbrüstungen                                     Anzahl: 8

Sonstige Objekte                                     Anzahl: 10

Schutzstreifenzaun                                  Länge: 37,7 Kilometer

Betonmauer                                             Länge  : 2,2 Kilometer
 
Lichtsperren                                             Länge: 9,6 Kilometer       Anzahl: 6

Hundelaufanlagen                                    Länge: 9,9 Kilometer       Anzahl: 3

Metallgitterzaun                                       Länge: 39,9 Kilometer

   - davon einfach                                      Länge: 35,5 Kilometer

                 doppelt                                                   4,4 Kilometer

Kolonnenweg                                            Länge: 40,2 Kilometer

Kfz-Sperrgraben                                       Länge: 22,4 Kilometer

Durchlässe und Übergänge                      Anzahl: 22


Oben: Schematische Darstellung der DDR-Grenzsperranlagen aus der Zeit um 1980. Zwischen 1983 und 1985 gab es einige Veränderungen. So wurden z.B. die Erdminen gesprengt, die Selbstschussanlagen SM70  abgebaut, Zäune erneuert / modifiziert, akustische und optische Signalanlagen (Rundumleuchten/Signalhörner) demontiert und der "stille Alarm" eingeführt


Der Grenzbereich in Lübeck bei der Straße AN DEN SCHIEßSTÄNDEN. Im Foto, das um 1970 entstand, ist u.a. die damalige Gaststätte "Waldkrug" zu sehen. Die Grenze ist nicht weit entfernt; im Hintergrund sind Metallgitterzäune im Bereich der Palinger Heide zu erkennen.

Lübeck-Eichholz um 1970

oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970). Wenige Jahre zuvor war im Raum linksseitig der Brandenbaumer Landstraße eine Müllkippe. Diese wurde im Dezember 1963 geschlossen. Siehe hierzu den nachfolgenden Zeitungsbericht:


1967

Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz - um 19701970


oben: Sperre am Ende der Brandenbaumer Landstraße in Lübeck. Die Abschrankung gab es zu dieser Zeit noch nicht; diese wurde erst 1958 errichtet.

1953

1956

1957

1958

1959


Zollbeamte mit Zollhund und Handfunkgerät bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz1961

oben: Zollbeamte an der Grenze bei Lübeck-Eichholz. Sie führen einen Diensthund und ein Funkgerät mit sich. Die ersten "beweglichen" Funksprechgeräte wurden am 11.08.1960 beim Zoll für den Raum Lübeck-Lauenburg eingeführt. Siehe hierzu nachfolgendes Dokument:


1962

1964

1964

1965


1960


oben und unten: Die Nachbildung des Brandenburger Tores (vom KURATORIUM UNTEILBARES DEUTSCHLAND gestiftet und am 17.6.1960 eingeweiht) befand sich unweit der Abschrankung Lübeck-Eichholz. Das Tor, wegen seiner Lage auch "Brandenbaumer Tor" genannt, sollte Mitte der 1960er Jahre gemäß Aufforderung des Lübecker Senats wieder abgerissen werden. 1967 fiel es starken Winden zum Opfer; das umgewehte Tor wurde nicht wieder aufgebaut und entfernt.



oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970)


Das oben gezeigte Foto wurde um 1970 aufgenommen. Es zeigt den Bereich am Ende der Brandenbaumer Landstraße in Lübeck. Auch die Abschrankung Eichholz ist zu erkennen. Unten rechts im Bild die Gaststätte „Landhaus" (heute: Ulli´s Landhaus). 

oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970)

oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970)

oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970)

oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970)

Lübeck-Eichholz um 1970

oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970)

um 1970

oben: der Bereich am Ende der Brandenbaumer Landstraße in Lübeck. Um das Jahr 1970 entstand dieses Aufnahme. Das "Steinlager" wurde später abgerissen. Heute befinden sich hier Gebäude, u.a. die Schule am  Bohlkamp.


Steinlager in Lübeck-Eichholz

um 1970

oben: Die Abschrankung Eichholz unten links im Bild


oberes Foto: In der unteren Bildhälfte sind einige Gebäude vom "Steinlager" zu erkennen

oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970)

oben: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz (um 1970)


Erklärungen zu obiger Karte: 32 = Standort des damaligen Zollkommissariats Lübeck-Süd in der Guerickestraße / 28 = Standort des Grenzzolldienst-Beobachtungshochstandes bei "Schneiders Wiesen"/ 31 = Bereich an der Abschrankung Eichholz / 33 = Standort des Grenzzolldienst-Beobachtungshochstands an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg / 75 = Beobachtungsturm (BTv Führungsstelle) der DDR-Grenztruppen nordwestlich Herrnburg / 76 = Beobachtungsturm (r) BT 11 der DDR-Grenztruppen bei Herrnburg / 77 = Beobachtungsturm BTv der DDR-Grenztruppen beim Bahnhof Herrnburg / 78 = Beobachtungsturm (r) BT 11 südwestlich von Herrnburg

12/1987

1969

oben: BT 11 bei Herrnburg nach dessen Fertigstellung im Jahr 1969. Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ

1985

oben: Grenzbereich im Raum Lübeck-Eichholz / Herrnburg. Blick in Richtung Süden

Grenzraum bei Herrnburg - Blick Richtung Norden1985

oben: Grenze bei Herrnburg. Die Beobachtungstürme "75" und "76" sind zu erkennen.

Gasse im Minenfeld nordwestlich Herrnburg

oben: Gasse im Minenfeld nordwestlich von Herrnburg (Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ). Selbige Gasse ist auch im unteren Bild zu sehen

1969

Grenze bei Lübeck-Eichholz in Höhe Gut Brandenbaum. Am 03.10.1969 passierte der Bundesbürger Wilhelm Droeger die Grenzlinie nördlich der gesperrten Straße Lübeck-Eichholz/Herrnburg und trat nach Überklettern des ersten Metallgitterzauns auf eine Mine. Die Detonation riss dem Lübecker den linken Fuß oberhalb des Sprunggelenkes ab. Erst nach längerer Zeit (über 5 Stunden!) wurde er von Kräften der DDR-Grenztruppen geborgen und starb letztlich aufgrund seiner erlittenen Verletzungen.

Die Freie Universität Berlin hat betreffend des Todes von Wilhelm Droeger das Folgende veröffentlicht:

http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Droeger_Wilhelm/index.html



Auch im Jahre 1981 ereigneten sich Unglücke im Minenfeld bei Herrnburg. Die Personen erlitten dabei schwere Verletzungen (siehe nachfolgende Zeitungsartikel):




Alltag an der Grenze

September 1980

Juli 1979

1971

Führungsstelle der DDR-Gremztruppen nordwestlich Herrnburg1985

oben: Führungsstelle der DDR-Grenztruppen nordwestlich Herrnburg. 

Grenzraum bei Herrnburg1985

Foto oben: das 1985 aufgenommene Luftbild zeigt einen Teil des Grenzraums zwischen Lübeck-Eichholz und Herrnburg. Die freie Fläche im Bereich der beiden zu erkennenden DDR-Grenztürme (rechts ein BT 11 ("76"), links die Führungsstelle ("75") gibt es heute nicht mehr; hier stehen nun die Häuser des Neubaugebiets "Krüzkamp" 

Grenzraum bei Herrnburg1985

Grenzraum Lübeck-Eichholz / Herrnburg im Jahr 1985. Auch südlich des im Januar 1990 umgerissenen Beobachtungsturms begann später eine rege Bautätigkeit. Zunächst noch als Flohmarkt-Gelände genutzt, entstanden hier Neubauten. Das nachfolgende Foto, von Karsten Eckermann im Jahr 2014 aufgenommen, zeigt die Veränderungen

2014

Zu den Todesopfern, die es an der innerdeutschen Grenze im Raum Lübeck gab, zählt Herr Piorek. Er überquerte von Lübeck aus die Grenzlinie, um nach "drüben" zu gelangen. Über das, was sich am 6.12.1963 im Grenzraum Lübeck-Eichholz/Herrnburg ereignete, berichtete die Tageszeitung LÜBECKER MORGEN wie folgt:




Die Freie Universität Berlin hat bezüglich des Todes von Hans-Werner Piorek Folgendes veröffentlicht (den Link anklicken): http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Piorek_Hans-Werner/index.htm



Im Grenzbereich gegenüber Lübeck gab es Ende des Jahres 1987 insgesamt 26 Beobachtungstürme aus Beton. Im Hintergrund des Bildes ist die Herrnburger Führungsstelle der DDR-Grenztruppen zu sehen. Im Vordergrund steht der "BT 11" nordwestlich Herrnburg. Diese runden Türme hatten schlechte Eigenschaften bei stürmischen Winden und durften ab einer gewissen Stärke nicht mehr besetzt werden.


oben: Blick aus der Kanzel eines Beobachtungsturms der DDR-Grenztruppen, welcher auch in den unterhalb dieses Fotos gezeigten Bildern zu sehen ist (Foto: Grenztruppen der DDR), in Richtung Lübeck-Eichholz. Der doppelreihige Metallgitterzaun ist im Vordergrund des Fotos zu erkennen. Zwischen den Zäunen lagen Minen (bis 1984)


oben und unten: Der Beobachtungsturm (BT 11) der DDR-Grenztruppen, welcher von der Abschrankung Lübeck-Eichholz zu sehen war. Am 04.01.1990 kam dessen Ende; der BT wurde umgerissen. Ich war damals vor Ort und habe u.a. die nachfolgend gezeigten Fotoaufnahmen gefertigt:


4.1.1990

Umgerissener BT 11 bei Herrnburg am 4.1.19904.1.1990


Umgerissener Beobachtungsturm bei Herrnburg am 4.1.19904.1.1990


oben und unten: Schutzstreifen bei Herrnburg

Schutzstreifen bei Herrnburg

oben: im Hintergrund ist die Führungsstelle der DDR-Grenztruppen bei Herrnburg zu sehen 


oben: Führungsstelle der DDR-Grenztruppen bei Herrnburg im Jahr 1990 - Foto: Christoph Arndt


oben: Blick aus der Führungsstelle der DDR-Grenztruppen bei Herrnburg in Richtung Hansestadt Lübeck - 1990, Foto von Christoph Arndt


oben: die Kirchtürme von Lübeck konnte man vom Dach dieses bei Herrnburg stehenden Beobachtungsturmes der DDR-Grenztruppen sehen (Foto: Christoph Arndt)


Der Grenzsperr- und Signalzaun (GSSZ) der DDR war im Raum zwischen der Ostseeküste bei Pötenitz und der Nordspitze des Ratzeburger Sees insgesamt 37,7 Kilometer lang (Stand: November 1989) 


Der Metallgitterzaun (MGZ) - Bestandteil der DDR-Grenzsicherungs- und Sperranlagen (hier bei Herrnburg) - war im Bereich zwischen der Ostseeküste bei Pötenitz und der Nordspitze des Ratzeburger Sees 39,9 Kilometer lang (Stand: November 1989). Wie im obigen Foto links unten erkennbar ist, befanden sich im MGZ bzw. im "Grenzzaun I" (Bezeichnung DDR-Grenztruppen) in unregelmäßigen Abständen Durchlässe im Zaun. Durch diese kleinen Tore gelangten die DDR-Grenzaufklärer auf das "vorgelagerte Hoheitsgebiet"

12/1987


Bild oben: Durchlasstor im Metallgitterzaun bei Herrnburg


oben und unten: die Schutzhütte des Grenzzolldienstes unweit der Abschrankung Lübeck-Eichholz. Und was sah man(n), wenn man in diesem Gebäude „postierte"? Blickte man geradeaus, dann auf den „Behaimring". Schaute man nach links, erkannte man die Brandenbaumer Landstraße.
Rechts bzw. in Richtung „Grenze" sah man während der Dunkelheit einige Peitschenlampe der Lichtsperre, die es im Raum zwischen Bahnhof Herrnburg und Führungsstelle der DDR-Grenztruppen gab.



1979



oben: An der Abschrankung bei Lübeck-Eichholz / Herrnburg war besonders in den Sommermonaten recht viel "los" - Auch ein "Feuerspucker" kam mal vorbei, um hier an der Grenze für etwas "Abwechslung" zu sorgen.

Relativ häufig zog es Angetrunkene/Betrunkene zur Grenze hin. Vielfach ging alles "gut". Nicht jeder von ihnen überquerte die Grenzlinie. Ja, mancher fiel schon vorher volltrunken zu Boden.... Einige, die es über die Grenze schafften, schliefen auf DDR-Gebiet ihren Rausch aus. Es gab aber auch Festnahmen durch Angehörige der DDR-Grenztruppen. In mindestens einem Fall durften "zivile Kräfte" (es waren BGS-Beamte) nach Absprache mit den Grenztruppen das Gebiet der DDR betreten, die Person "bergen" und auf Bundesgebiet zurückholen

Vorkommnisse an der Grenze bei Lübeck-Eichholz


oben: der zu diesem Zeitpunkt bereits "polizeibekannte" Lübecker Bürger S. auf DDR-Gebiet (Foto: Grenztruppen der DDR) bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz. Zoll und Bundesgrenzschutz werden ihn in "Empfang" nehmen, zum wiederholten Male über den Grenzverlauf der DDR und die möglichen Folgen bei "Nichteinhaltung des Grenzverlaufs" belehren.

Alkohol und Grenze vertrugen sich oftmals nicht


oben: Eine am 03.03.1987 von Unbekannt über die DDR-Grenzsäule Nr. 82 (unweit der Abschrankung Lübeck-Eichholz) gestülpte Unterhose. DDR-Grenzaufklärer versuchten an diesem Tage mehrmals, das Unterbekleidungsstück von der Säule (sie markierte nicht den Grenzverlauf, sondern stand mehrere Meter jenseits der Grenze auf DDR-Gebiet) zu entfernen. Da ich jedoch beim "Schlagbaum" Lübeck-Eichholz postierte, um diesen Moment mit der Kamera festzuhalten, warteten die DDR-Grenzsoldaten lieber bis zum Einbruch der Dunkelheit.
So ärgerten sich beide "Parteien": Ich, weil es mir nicht gelang, diese Situation aufs Negativ zu bannen, und die Grenzaufklärer, weil sie sich wegen des „lauernden" Zollbeamten genötigt sahen, stundenlang in Nähe der Grenzsäule auszuharren (s/w-Foto: Grenztruppen der DDR)


Am 17.06.1987 war der „Feuerspucker" (siehe weiter oben) wieder an der Grenze. An diesem Tag betätigte er sich als auf dem Rücken liegender „Radfahrer". Zwar hatte ich dienstfrei, als er bei der Abschrankung Eichholz aufkreuzte, doch war ich gerade vor Ort und in der Lage, seine „Handlungen" fotografisch zu dokumentieren (auf dem s/w-Foto bin ich links zu sehen). Auch die DDR-Grenztruppe bzw. einer ihrer Angehörigen drückte auf den Auslöser der Kamera. Vom Wachturm, der sich gegenüber der Abschrankung Eichholz befand, hielt man die Darbietungen des "Radfahrers" mit einem Tele-Objektiv fotografisch fest.


Tausende Besucher, welche an die Grenze kamen, um nach „drüben" zu schauen, zählten Zoll und Bundesgrenzschutz (BGS) in jedem Monat des Jahres. Ob aus dem Ausland oder der Bundesrepublik Deutschland kommend: Grenze und sichtbare Grenzsperranlagen der DDR zogen die Menschen zahlreich an. Oftmals wurden sie von Kräften des Zolls oder des BGS in den Grenzverlauf eingewiesen und mit vielen Informationen zum Thema „Grenze" versorgt. Die westdeutschen Grenzüberwachungsorgane waren stets darauf bedacht, dass  „Nichtbeachtungen des Grenzverlaufs" (wie Zoll und BGS die Überschreitungen der Grenzlinie von West nach Ost bezeichneten) ausblieben. Zum einen, um die betreffende Person vor möglichen Folgen zu  bewahren (z.B. Festnahme durch DDR-Grenztruppen, Verurteilung durch ein DDR-Gericht etc.), zum anderen um jegliche „Provokationen" zu vermeiden. Viel zu leicht konnten sich "Aktionen" zu einem schweren Grenzzwischenfall entwickeln. Im unteren Teil des oben gezeigten Bildes sind zwei männliche Personen zu erkennen, welche die Abschrankung Lübeck-Eichholz passiert haben und sich bereits auf dem Gebiet der DDR befinden. Soldaten der DDR-Grenztruppen, welche sich zu diesem Zeitpunkt auf dem nahegelegenen BT 11 („76") befanden, hielten diese „Grenzverletzung" und nach DDR-Recht „strafbare Handlung" fotografisch fest.

1977

1978

zu obigen Zeitungsartikeln der Lübecker Nachrichten: relativ häufig kam es vor, dass Kinder den Grenzverlauf nicht beachteten und zum Beispiel mit Hilfe von Baumstämmen und Brettern, die von ihnen über den wasserführenden Landgraben gelegt worden waren, das Gebiet der DDR betraten. Auch ich als Angehöriger des Grenzzolldienstes habe gelegentlich Kinder beobachtet, welche Stege nach "drüben" bauten. Die Belehrungen blieben weitgehend fruchtlos, denn die noch so jungen Erdenbürger machten spätestens am nächsten Tag "weiter". Gewiss, es mag sie geärgert haben, dass Bundesgrenzschutz und Zoll die  "Bauwerke" entfernten (siehe hierzu auch nachfolgenden Auszug aus einer Grenzlage-Meldung betreffend des Monats 4/1987), doch ließen sie sich ihre "Freuden" letztlich nicht nehmen.


Nach dem Fall der „Mauer"(9.11.1989) dauerte es nicht lange, bis der Wunsch, wieder einen Grenzübergang an der ehemaligen Straßenverbindung Lübeck- Eichholz/Herrnburg zu eröffnen, öffentlich geäußert wurde. Am 8.12.1989 wurde in Lübeck-Eichholz durch einen Zettelanschlag auf eine Veranstaltung in Herrnburg hingewiesen. Es war u.a. zu lesen:

- Entlastung des Bahnüberganges Lübeck-Herrnburg

- Entlastung des Straßenübergangs Selmsdorf-Schlutup

- Entlastung Lübecks von Kfz

- Besuch nahegelegener Sehenswürdigkeiten ohne Kfz

- Unterstützt uns Montag, d. 11.12.1989, 19.30 Uhr

Am Abend des 11. Dezember 1989 trafen etwa 150 Eichholzer und ein paar DDR-Bürger an der Abschrankung Eichholz ein. Einige von ihnen hatten Fackeln und Wunderkerzen mitgebracht. Was sich in Herrnburg tat, war von bundesdeutscher Seite kaum zu erkennen. Von zwei DDR-Bürgern kam schließlich die Mitteilung, dass in Herrnburg rund 200 Personen friedlich für die Öffnung eines Grenzübergangs demonstriert hätten; sie selbst wären dabei gewesen. Ein Oberstleutnant der DDR-Grenztruppen habe die Öffnung für Sonnabend, den 16.12.1989 zugesichert. Jubelschreie und lang anhaltender klatschender Beifall waren der „Lohn" für diese gute Nachricht.

11.12.1989

Am 13.12.1989 rückten DDR-Grenztruppen und zivile Kräfte mit
„schwerem" Gerät an. Nachdem ein Stück vom Metallgitterzaun
entfernt worden war, konnte man damit beginnen, die alte
Verlängerung der Brandenbaumer Landstraße von Erde und
Gebüsch zu befreien. Ich hielt unsere Funksprechzentrale "Baldur" über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden und zückte hin und wieder
die Kamera, um die Ereignisse fotografisch festzuhalten

13.12.1989

oben: DDR-Grenztruppen sind mit LKW und Anhänger gekommen, um u.a. Betonpfähle und Metallgittermatten aufzuladen

13.12.1989

13.12.1989

13.12.1989

13.12.1989

13.12.1989


14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989 - die Abschrankung Eichholz (1958 errichtet) wird abgebaut

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989

14.12.1989


oben: Die "Abschrankung Eichholz" befindet sich heute im Museum der Bundespolizeiakademie in Lübeck. Manfred Krellenberg (von 1983 bis 1990 zur Grenzaufsichtsstelle Eichholz des Grenzzolldienstes gehörend) fühlt sich sichtlich wohl, wieder beim "Schlagbaum Eichholz" zu sein und in Erinnerungen zu schwelgen


oben und unten: Die am 14.12.1989 abgebaute Abschrankung Eichholz im Museum der Bundespolizeiakademie Lübeck



1976

14.12.1989

14.12.1989


oben und unten: Zoll und Bundesgrenzschutz erhalten Container für die Grenzabfertigung



oben: Blick in Richtung Brandenbaumer Landstraße bzw. Lübeck. Links ist die Schutzhütte des Zolls in Höhe vom Behaimring zu sehen. Ein grauer VW-Bus des Grenzzolldienstes ist vor ihr abgestellt.


Auch am 16.12.1989, dem Tag der Öffnung der Grenze zwischen Herrnburg und Lübeck-Eichholz, war ich "live" dabei bzw. vor Ort. Während meines Dienstes fertigte ich die folgenden Foto/Filmaufnahmen:

16.12.1989

16.12.1989

16.12.1989

16.12.1989

16.12.1989


16.12.1989

Dezember 1989

Dezember 1989


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Nach Öffnung der Grenze und der (Wieder-) Errichtung der Grenzkontrollstelle (GKSt) Eichholz hatten sich die Zollbeamten der Grenzaufsichtsstelle Eichholz nun auch mit Grenzabfertigungsaufgaben zu befassen. Wenn die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik auch keine "Zollgrenze" war (die DDR gehörte nach Rechtsauffassung der Bundesrepublik Deutschland zum deutschen Zollgebiet), so war sie aber doch eine "Steuer-Grenze", auch hinsichtlich der Verbrauchsteuern wie z.B. Tabaksteuer und Branntweinsteuer. Bei der Einfuhr von Zigaretten, alkoholhaltigen Getränken etc. gab es gewisse "Freimengen". Auch bei der neu errichteten GKSt Eichholz sollten die Angehörigen der Bundeszollverwaltung nun kontrollieren, ob geltende "Regeln" eingehalten wurden und entsprechend handeln. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie oft meine Kollegen und ich zum "Quittungsblock" gegriffen haben, weil Steuern zu erheben / zu vereinnahmen waren oder Waren sichergestellt werden mussten. Ganz sicher bin ich mir hingegen, dass wir hin und wieder die "Augen zugedrückt" haben, wenn es sich nur um geringfügige Überschreitungen der Freimengen handelte.  Ob die Zöllner, die hier "früher" bei der (alten) GKSt Eichholz Dienst verrichteten, ähnlich oder vielleicht sehr viel "strenger" agierten?

Dort, wo ich mich jetzt befand, verrichteten seit nunmehr vierzig Jahren Zollbeamte ihren Dienst. Als im März/April 1949 die ersten für den hiesigen Einsatz an der Demarkationslinie (DL) bestimmten Zöllner in Lübeck ankamen und beim „Grenzkommissariat Lübeck-Ost" ihren Dienst antraten, begann für sie ein neuer Abschnitt im beruflichen Leben. Von der „internationalen Grenze" abgeordnet bzw. an die neue Dienststelle versetzt, mussten sich diese Angehörigen des Zolls schnellstmöglich auf die hier herrschenden „Gegebenheiten" einstellen. Soweit nicht bereits im „Bilde", erfuhren diese Männer nun auch, was sich in den letzten Jahren in diesem Bereich ereignet hatte.

Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht (Mai 1945) standen in der britischen Besatzungszone an der „Demarkationslinie" (DL) zur sowjetisch besetzten Zone (SBZ) britische sowie einige kanadische und polnische Militäreinheiten.

Um die Einheiten für andere Aufgaben frei zu bekommen, beauftragte die britische Militärregierung im Juni 1947 in Schleswig-Holstein die deutsche Polizei, die Überwachung der „DL" zu übernehmen. Da die Polizeitruppen dieser Aufgabe zahlenmäßig auf Dauer nicht gewachsen waren und sich die politischen Spannungen weiter verschärften, entschloss sich die britische Militärregierung, die Überwachung der Grenze ihrer Zone gegen den sowjetisch besetzten Teil neu zu regeln.

Die Militärregierung erteilte der Chefinspektion des Zollgrenzschutzes – Britische Zone – den Auftrag, die Grenzaufsicht an der „DL" nach Maßgabe ihres an den Auslandsgrenzen bewährten Systems zu übernehmen. Der Chefinspektor des Zollgrenzschutzes – Britische Zone – veranlasste daraufhin die Abordnung von Beamten. So sollten u.a. aus dem Geschäftsbereich des Inspekteurs des Zollgrenzschutzes Flensburg Beamte ihre bisherigen Dienstorte verlassen und im Laufe des 10.3.1949 an der „neuen Grenze" (im Zuständigkeitsbereich der Inspektion des Zollgrenzschutzes Kiel) eintreffen.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges durchschnitt die DL zwischen der russischen und britischen Besatzungszone in Raum Schleswig-Holstein in ihrer Länge von etwa 136 Kilometern sieben Straßen von überörtlicher Bedeutung sowie drei Eisenbahnlinien.
Straßen und Bahnlinien waren für den Verkehr gesperrt. Lediglich den Landstraßenübergang von Lübeck-Schlutup nach Selmsdorf hielten britische und sowjetische Truppen bis zum 15.7.1947 für den Durchgangsverkehr offen.

Als an jenem Tage der Grenzübergang Lübeck-Schlutup/Selmsdorf von Seiten der Sowjets geschlossen wurde, wickelte man den grenzüberschreitenden Verkehr bei Lübeck-Eichholz/Herrnburg ab. Am Ende der Brandenbaumer Landstraße bzw. an der dortigen „DL" herrschte fortan reger Betrieb, nicht nur innerhalb der gesetzten
Öffnungszeiten. Sowohl die auf Seiten der „SBZ" Dienst verrichtenden russischen Soldaten und deutschen Grenzpolizisten als auch die auf westlicher Seite befindlichen Einsatzkräfte konnten sich über mangelnde „Arbeit" nicht beklagen. Die in der britischen Zone an der „DL" eingesetzten deutschen Polizeiangehörigen wurden jedoch spürbar entlastet, als nun im Frühjahr 1949 der Zoll kam, um Aufgaben an dieser Grenze zu übernehmen. Der Tag der offiziellen Übernahme (20.05.1949) wurde schließlich ein ganz besonderer; öffnete man doch auch wieder den Eisenbahngrenzübergang Lübeck-Herrnburg, wenn auch zunächst „nur" für den Güterverkehr.

Vom 15.09.1949 - dem Tag der Errichtung der Grenzkontrollstelle (GKSt) Eichholz - bis zum 08.02.1950 sorgten die Beamten der am 20.05.1949 aufgestellten GASt Eichholz für die Abwicklung des grenzüberschreitenden Verkehrs, danach die zur GKSt versetzten Kollegen. Zwischen 1950 und 1952 fertigten die Zöllner über 460000 Interzonenreisende und große Mengen verschiedenster Güter ab,
passierten hier nicht weniger als 23000 LKW die Grenze. Auch aus „polizeilicher Sicht" waren die Zollbeamten erfolgreich und konnten zahlreiche Festnahmen vermelden.


Grenzkontrollstelle Eichholz um 1950um 1950

oben: Grenzkontrollstelle Eichholz. Blick in Richtung Lübeck

Zollbeamter Friedrich Bartsch an der Grenze bei der Grenzkontrollstelle Eichholz - Aufnahme um 1950um 1950

Grenzkontrollstelle Eichholz um 1950um 1950

oben: Gebäude der Grenzkontrollstelle Eichholz (um 1950)

Rampe  bei der Grenzkontrollstelle Eichholz - um 1950um 1950

oben: Rampe für die Grenzabfertigung bei der Grenzkontrollstelle Eichholz (um 1950)

Grenzkontrollstelle Eichholz um 1950um 1950

oben: Grenzkontrollstelle Eichholz um 1950 - Blick in Richtung Herrnburg / DDR

Zollkontrolle bei der Grenzkontrollstelle Eichholz - Aufnahme um 1950um 1950

oben: Zollkontrolle bei der GKSt Eichholz (Aufnahme um 1950)

1951

Im Mai 1952 gab die britische Militärregierung in Berlin bekannt, dass der Grenzübergang zwischen Lübeck-Eichholz und Herrnburg geschlossen und eine Grenzkontrollstelle bei Lauenburg errichtet würde. Proteste des Lübecker Senates sowie der Industrie- und Handelskammer Lübeck bei der Bundesregierung blieben fruchtlos, so dass – wie befürchtet – der Wirtschaft im hiesigen Raume nicht unerheblicher Schaden zugefügt wurde.


Am Tag der Schließung des Grenzübergangs Lübeck-Eichholz/Herrnburg, 15.05.1952, fand auch der Eisenbahnverkehr an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg ein jähes Ende. Erst im März 1960 wurde der Grenzübergang in Lübeck-Schlutup/Selmsdorf wieder geöffnet, passierten auch wieder Züge über Lübeck/Herrnburg die „Zonengrenze".

Als am 27.5.1952 die (DDR-) Polizeiverordnung über die Einführung einer besonderen Ordnung an der Demarkationslinie in Kraft trat, nahm das „Gesicht" der Grenze sehr hässliche Züge an. Die Errichtung von Sperrzone (ca. 5 Kilometer tief), Schutzstreifen (ca.500 Meter tief) und Kontrollstreifen (10 Meter tief) führte zu sehr drastischen Einschnitten und Veränderungen.  

Noch waren die von der DDR getroffenen Sperrmaßnahmen aber nicht so perfektioniert, dass sie eine Flucht aus der „SBZ" unmöglich machten; immer noch gelang es vielen Menschen, dem kommunistischen Regime den Rücken zu kehren. Zu ihnen gehörten auch jene DDR-Polizisten/Soldaten, die 1953, 1956, 1957 und 1958 den Eichholzer Zollbeamten in Uniform und teils noch bewaffnet in die Arme liefen.

Als im April 1958 die DDR-Behörden ihre Drahtsperre an der Straße zwischen Lübeck-Eichholz und Herrnburg ein paar Meter zurück verlegten, bestand nach Auffassung der westdeutschen Ämter die Gefahr, dass allzu Neugierige sich zu weit in Richtung Osten wagen und dann von DDR-Grenzpolizisten festgenommen werden könnten. In Übereinkunft mit Lübecker Senat und Polizei wollte man dieser Gefährdung nun durch die Errichtung einer Abschrankung begegnen. Mit ihrem Bau wurde am 10. April 1958 begonnen. Sie erhielt einen rot-weißen Anstrich und wurde allgemein als "Schlagbaum Eichholz" bezeichnet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich hier ein reger Besucherverkehr, der einen beachtlichen Umfang einnahm. Die Soldaten der 1961 aufgestellten DDR-Grenztruppen, welche nun „drüben" Dienst verrichteten und insbesondere die DDR-Grenzaufklärer, die sich aufgrund ihrer Aufgabenstellung und politischen Zuverlässigkeit bis direkt an die Grenzlinie begeben durften, mussten sich manchmal vorkommen wie die „Affen im Zoo".

Da es vielen Grenzbesuchern nicht bekannt war, dass die DDR-Grenzsoldaten im Regelfall nicht berechtigt waren, Kontakt zu ihnen aufzunehmen (also noch nicht einmal den ihnen dargebotenen Tagesgruß zu erwidern), wurden die Angehörigen der DDR-Grenztruppen nicht selten als unhöflich empfunden und beschimpft.

Deshalb waren die Zoll- und Bundesgrenzschutzbeamten darum bemüht, die Grenzbesucher nicht nur in den Grenzverlauf einzuweisen, sondern ihnen auch Geschichte und Besonderheiten dieser Grenze näher zu bringen, was in den meisten Fällen dankbar angenommen wurde.

DDR-Grenzsoldaten bei der Grenzsäule 82 im Raum Herrnburg

oben: Angehörige der DDR-Grenztruppen, Grenzaufklärer, an der DDR-Grenzsäule Nr. 82 (diese befand sich bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz). Im Gegensatz zu den Grenzsteinen markierten die DDR-Grenzsäulen nicht den Verlauf der Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Die schwarz/rot/goldenen Säulen aus Beton standen mehrere Meter jenseits der Grenzlinie auf dem Gebiet der DDR


oben: Entweder zum Gebiet der Bundesrepublik Deutschland oder zur Deutschen Demokratischen Republik gehörend - es gab kein "Niemandsland" an dieser Grenze, auch wenn im allgemeinen Sprachgebrauch vielfach davon die Rede war.

Grenzstein


oben: Ein DDR-Grenzsoldat, ein "Grenzaufklärer" (Gesicht aus Datenschutzgründen unscharf maskiert) an der Grenze bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz. Gemäß dem Schild "Halt! Hier Grenze" (vom Bundesgrenzschutz aufgestellt) ist zu erkennen, dass der Soldat sich in unmittelbarer Nähe der Grenzlinie befindet. Auf dem Kunststoffpfahl steht "2 d 20". Das bedeutet, dass sich genau hier der Grenzpunkt "20" im Grenzzug "d" des Grenzabschnitts "2" befindet. Siehe hierzu nachfolgende Grenzkarte


oben: Grenzkarte vom Grenzabschnitt "2", Grenzzug "d"



oben: DDR-Grenzsoldaten unweit vom Grenzpunkt "21" im Grenzzug "d" des Grenzabschnitts "2" (bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz)


oben: hochwertige Optik kam gelegentlich unweit der Grenzlinie zum Einsatz: hier ein Carl Zeiss Asembi 80/500 Großfernglas auf Stativ

1983

oben: DDR-Grenzaufklärer (GAK) an der Grenze bei Herrnburg bzw. der Abschrankung Eichholz. Die meisten "GAK" verbargen ihr Gesicht mittels Fernglas, Fotoapparat oder Händen, wenn sie bemerkten, dass sie abgelichtet werden sollten. Mancher Angehörige der DDR-Grenztruppen drehte sich dann auch um.

Bevor wir "südwärts" in Richtung Groß Grönau schreiten , bleiben wir noch einen Moment an der Abschrankung Lübeck-Eichholz und vergleichen die beiden im Anschluss gezeigten Bilder miteinander.

1978

1985

Schilder mit dem Begriff "Zonengrenze" gab es Mitte der 1980er Jahre nur noch in geringer Menge an der Grenze zur DDR. Es war in der Regel nur noch von "Grenze" die Rede. Statt z.B. "HALT HIER ZONENGRENZE" hieß es nun "HALT HIER GRENZE". Auch die Schilder betreffend der "MINEN" hatten nach Sprengung derselben ausgedient und wurden abgebaut.

Zonengrenze


1962

Minen zerrissen einen Elch - 1.10.1970 bei Herrnburg

1984


1984

1984

1984

Zu obigen Bildern: Als Gegenleistung für den der DDR im Jahre 1983 gewährten Milliardenkredit war von bundesdeutscher Seite u.a. gefordert worden, die an der innerdeutschen Grenze befindlichen Bodenminen und die Selbstschussanlagen zu beseitigen. Der Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, stimmte den Bedingungen zu. Als 1984 ein Fernschreiben von „drüben" kam, in dem mitgeteilt wurde, dass im hiesigen Raume Sprengarbeiten an der Grenze durchgeführt würden, waren im Grenzraum gegenüber Lübeck bereits umfangreiche Arbeiten am Schutzstreifen- bzw. Grenzsignalzaun durchgeführt worden bzw. noch in Ausführung.


Zu den Kräften, die nun seitens von BGS und Zoll dazu eingeteilt wurden, die Sprengarbeiten zu beobachten und die Zahl der detonierten Minen festzustellen, gehörte auch ich. In dem mir zugeteilten Grenzabschnitt (Raum Lübeck-Eichholz) konnte ich zunächst aber nur hören, dass Minen explodierten; aufgrund der vielen Bäume bzw. des dichten Buschwerks war vom „Boden" aus so gut wie nichts zu erkennen. Ich musste warten, bis der Panzer, der „drüben" zum Zwecke der Minensprengung zum Einsatz kam, den Raum Herrnburg erreichte.

Als es endlich soweit war, konnte auch ich beobachten, wie sich dunkle Wolken vom Boden aus in die Luft erhoben. Große Mengen Staub und Dreck wurden von den detonierten Minen aufgewirbelt. Vor allem der Pulverdampf nahm dem Panzerfahrer bereits nach kurzer Zeit die Sicht, so dass er halten und pausieren musste. Dann legte er wieder den Vorwärtsgang ein und nahm die nächsten 20 Meter in „Angriff".
 

Der Minengürtel im Raum gegenüber Lübeck war insgesamt rund 10 Kilometer lang. Ca. 40.000 Detonationen stellten Bundesgrenzschutz und Zoll in diesem Gebiet letztlich fest. Als der Minenräumpanzer vom Typ „T 55" seine Arbeit getan hatte, suchten Pioniere der DDR-Grenztruppen nach eventuell noch vorhandenen Minen. Mit Sondierstangen stocherten sie vorsichtig in der Erde herum und wurden gelegentlich fündig. Diese Minen wurden dann einzeln gesprengt.

Nachdem die Minen gesprengt worden waren, hatte der doppelreihige Metallgitterzaun (MGZ) ausgedient. Es wurde ein einreihiger MGZ bzw. Grenzzaun I errichtet, der höher war als der zweireihige, welcher schließlich demontiert wurde (siehe nachfolgende Bilder). 

bei Herrnburg

Landwirtschaftliche Arbeiten bei Herrnburg

oben: Mochte das Gebiet vom Metallgitterzaun bis zur eigentlichen Grenzlinie im  jeweiligen Grenzabschnitt auch relativ klein erscheinen, so summierte sich dieser Raum bezogen auf die gesamte Grenzlänge doch zu einer riesigen Fläche. Verständlich, dass die DDR bestrebt war, dieses Gebiet weitgehend zu nutzen. Da die erforderlichen Arbeiten in der Regel von Angehörigen der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) ausgeführt wurden, stellten die DDR-Grenztruppen oftmals Bewachungskräfte ab. Die Soldaten hatten dann u.a. sicherzustellen, dass die eingeteilten Arbeitskräfte das Territorium der DDR nicht verließen. Manchmal wurde Trassierband gespannt, um deutlich zu machen: bis hierhin und nicht weiter! Wer dann die „rote Linie" überschritt, hatte u.a. mit der Anwendung der Schusswaffe zu rechnen.


oben und unten: Arbeiten an der Grenze bei Herrnburg (1984). DDR-Grenzsoldaten bewachen die Arbeiter


bei Herrnburg

Obiges Foto wurde vom Hochstand des bundesdeutschen Grenzzolldienstes an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg aufgenommen. Es zeigt u.a. die Führungsstelle der DDR-Grenztruppen bei Herrnburg.

Herrnburg 2017

Im Jahr 2017 stehen hier, im ehemaligen "Grenzgebiet" bzw. "Schutzstreifen" viele Häuser. Ob all die vielen Menschen, die hier in Herrnburg nun wohnen, wissen, wie es hier "früher" aussah? Dass es hier, an der Grenze, hell erleuchtet war durch die "Lichtsperre" und die Scheinwerfer der DDR-Grenztruppen?

 bei Herrnburg

12/1987

bei Herrnburg

oben: Während einer Nacht im Winter des Jahres 1983 an der Grenze bei Herrnburg. Vom Hochstand des Grenzzolldienstes beim "Bahndamm" hatte man im Abschnitt der „Grenzaufsichtsstelle Eichholz" den besten Blick auf die Grenzsperranlagen der DDR. In den nächtlichen Stunden, wo es keinen grenzüberschreitenden Zugverkehr gab, war es für die Angehörigen der westdeutschen Grenzüberwachungsorgane besonders „ruhig". Für etwas Abwechslung sorgten dann oftmals nur die Fahrzeuge der DDR-Grenztruppen, die den Kolonnenweg befuhren. Und waren diese dann wieder dem Blickfeld des Beobachtenden entschwunden, kehrte wieder Stille ein. Ja, so eine mehrstündige Postierungszeit konnte sich gefühlsmäßig ganz schön in die Länge ziehen. Zwischen 2.00 und 05.00 Uhr morgens war es besonders „hart", sich voll und ganz auf seine dienstlichen Aufgaben zu konzentrieren. Fast jeder kam irgendwann an einen „toten" Punkt. Diesen zu überwinden und nicht einzunicken, war eine Herausforderung, der man sich immer wieder stellen musste.

bei Herrnburg


Der Hochstand des Grenzzolldienstes, welcher sich an der Bahnlinie Lübeck-Bad Kleinen nur wenige Meter von der Grenzlinie entfernt unweit von Herrnburg befand, war für die westdeutschen Grenzüberwachungsorgane zu jeder Tages-und Nachtdienstzeit Anlauf- und Postierungspunkt. Auch wenn dieser Hochstand nicht ständig besetzt war, so doch sehr oft. Eine gefühlte "halbe Ewigkeit" habe auch ich dort verbracht.


oben: Blick vom Hochstand des bundesdeutschen Grenzzolldienstes auf den Grenzbereich an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg. Im Hintergrund ist der Bahnhof Herrnburg und links davor ein Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen erkennbar. Im Vordergrund ist ein vom Bundesgrenzschutz aufgestelltes Grenzhinweisschild zu sehen, ein paar Meter dahinter - bereits auf DDR-Gebiet - zwei DDR-Grenzsäulen.


oben: Eine Aufnahme aus dem Winter 1983/1984. Es zeigt Soldaten der DDR-Grenztruppen unweit des Grenzverlaufs bei der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg. Zu dieser Zeit gab es noch die Minenfelder. Hinten links ist der doppelreihige Metallgitterzaun zu erkennen.

Anfang 1984

oben: Zollbeamter Manfred Krellenberg fotografiert DDR-Grenzaufklärer bei der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg. Das Bild, das er fertigte, ist unter diesem Foto zu sehen 



Das oben gezeigte Bild entstand Ende 1983 oder Anfang 1984, die zwei danach präsentierten Fotos wurde später aufgenommen. Der doppelreihige Metallgitterzaun (Zwischenraum vermint) ist bei Fertigung der unteren Bilder durch einen einreihigen und höheren Metallgitterzaun ersetzt worden. Auch das Eisenbahn-Signal bei der Einfahrt zum Bahnhof Herrnburg ist nun ein anderes.




oben: Grenzbereich beim Bahnhof Herrnburg, vermutlich zweite Hälfte der 1960er-Jahre

Herrnburg um 1970

um 1970

oben: Bahnhof Herrnburg (um 1970)

um 1970

oben und unten: Grenzbereich bei Lübeck-Eichholz

um 1970


oben: Grenzbereich bei Herrnburg

1985

oben und unten: Grenzbereich beim Bahnhof Herrnburg im Jahr 1985

1985

oben: Bahnhof Herrnburg im Jahr 1985

1985

oben: Grenzbereich bei Herrnburg

um 1970


zu den Bildern oben und unten: Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen beim Bahnhof Herrnburg nördlich der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg. Im unteren Foto sind Rundumleuchten (Rul) zu erkennen, die beim BTv ("77") installiert worden sind. Die rote oder die grüne Rul blitzte auf, wenn beim dort befindlichen Grenzsignalzaun "Alarm" ausgelöst wurde. Zusätzlich ertönte ein Signalhorn. Später wurde der "stille Alarm" eingeführt; Rundumleuchten und Signalhörner wurden daraufhin nicht mehr benötigt und demontiert. 


August 1987

grafische Darstellung GRENZALARM

Alarmauslösung am Grenzsignalzaun - eine rote Rundumleuchte und ein Signalhorn sind in Betrieb gegangen (grafische Darstellung /Fotomontage). Scheinwerfer leuchten den Schutzstreifen ab. Wer oder was hat den Alarm ausgelöst? Ein Mensch oder vielleicht nur ein Tier?  In Kürze wird eine Alarmgruppe der DDR-Grenztruppen erscheinen, um die vor Ort befindlichen Grenzposten zu unterstützen - .... ja, so war es einmal, als die innerdeutsche Grenze noch existierte und es den "stillen Alarm" noch nicht gab. Die Alarmauslösung mittels Rundumleuchten und dem Ertönen von Signalhörnern hatte den Nachteil, dass nun auch der "Republik-Flüchtige" gewarnt war und sicherlich versuchte, schnellstmöglich von hier wegzukommen. Auch die bundesdeutschen Grenzüberwachungsorgane wie Grenzzolldienst und Bundesgrenzschutz konnten - sofern in der Nähe - jetzt ein besonderes Augenmerk auf diesen Grenzabschnitt legen und Zeuge dessen werden, was sich an der Grenze ereignete.


zu obiger grafischen Darstellung: Es ist mitten in der Nacht. Die Zeiger der Uhr stehen auf 02.17, als ich eine "LK 3-Stern Rot“ in den Himmel steigen sehe. Nur wenige Sekunden sind diese Leuchtkugeln sichtbar. Und noch bevor sie erlöschen, haben sie mich – einen Angehörigen des bundesdeutschen Grenzzolldienstes – in einen Zustand größter Anspannung versetzt. Ja, das Herz schlägt nun schneller als zuvor – viel schneller. Alle Müdigkeit ist im Nu verflogen. Das monotone Grau/Schwarz der Nacht hat seine bleierne Schwere verloren – bedeutet dieses Signal GRENZALARM?

Es dauert nicht lange und es ist zu erkennen, dass die Grenztruppen der DDR ihre Aktivitäten in diesem Raum verstärken. Suchscheinwerfer leuchten den Schutzstreifen ab und tauchen diesen in „gespenstisches" Licht.  Vielleicht schon bald auch einen Menschen, der sich auf der Flucht befindet und der damit rechnen muss, dass er den "Westen" nicht erreicht...

Mein Herz klopft ganz laut, während ich zum Funkgerät greife, um meiner Leitzentrale vom Vorkommnis zu berichten.


oben: Im September 1987 beobachteten Zoll und Bundesgrenzschutz neun Suchaktionen der DDR-Grenztruppen diesseits und jenseits des Schutzstreifen- bzw. Grenzsignalzauns im Bereich gegenüber des Bezirks vom Hauptzollamt Lübeck-Ost

1983

oben: DDR-Grenzsoldaten mit LKW IFA W50 bei der Fütterung der im Schutzstreifen befindlichen Hunde. Die Aufnahme entstand im Jahr 1983 bei Herrnburg, nördlich der Bahnlinie Lübeck-Bad Kleinen

12/1987

1983

oben: Ein DDR-Grenzsoldat geht zu Fuß auf dem Kolonnenweg. Hinter ihm fährt in Schrittgeschwindigkeit ein Fahrzeug der DDR-Grenztruppen (ein Robur LO). Auf dem Dach des Führerhauses ist ein Suchscheinwerfer montiert. Grenzraum bei Herrnburg im Jahr 1983, nördlich Bahnlinie Lübeck-Bad Kleinen. Vor bzw. hinter dem zweireihigen MGZ sind Schilder zu erkennen. Diese warnen vor den Minen, welche zwischen den beiden Metallgitterzäunen liegen.


Das Motorengeräusch eines "Robur LO" ist und bleibt einzigartig bzw. unvergesslich. Unzählige Male habe ich es während meiner Dienstzeit an der innerdeutschen Grenze gehört. Selbst wenn man dieses Fahrzeug aufgrund Nebel, Dunkelheit oder sonstigen "Hindernissen" nicht gesehen hatte, so konnte man damals gewiss sein, dass hier, an der Grenze, ein "LO" unterwegs war! Im Juni 2011 war ich erstmals mit so einem LKW unterwegs - auf der "Panzerbahn" in Jüterbog. Namensvetter "Manfred" diente als Fahrlehrer und hatte mit seiner überaus freundlichen und kompetenten Art und Weise großen Anteil daran, dass diese Fahrt in diesem LO für meinen Bruder und mich zu einem ganz besonderen Ereignis wurde. DANKE sagen Volker und ich!

12/1987


1988

zu den beiden oberen Fotos: Dieser BTv (Beobachtungsturm viereckig) stand beim Bahnhof Herrnburg und wurde von mir am 15.05.1988 fotografisch abgelichtet. Ich befand mich im D-Zug 438, welcher gerade aus dem Bahnhof Herrnburg in Richtung Grenze bzw. Lübeck fuhr. Meinen langjährigen Brieffreund Jens Behrens hatten meine Frau und ich in Stralsund besucht, als ich auf der Rückfahrt nach Lübeck das oben gezeigte Bild fertigte. Ich ging dabei ein hohes "Risiko" ein, denn das Fotografieren von Bahnhofs- und Grenzanlagen war laut den DDR-Gesetzen streng verboten. Was wäre passiert, wenn das Ausfahrtsignal plötzlich auf "Halt" gestellt worden wäre und der Zug noch vor Erreichen der Grenzlinie hätte stoppen müssen? Aber es ging letztlich alles gut... 

... und so kann auch das nachfolgend gezeigte Bild vom Bahnübergang Herrnburg hier veröffentlicht werden. Vor der Schranke steht ein Mann in der Uniform der DDR-Grenztruppen, wahrscheinlich zu den PKE (Passkontrolleinheiten) gehörend. Bei dem LKW handelt es sich um einen IFA W 50 der DDR-Grenztruppen.

bei Herrnburg

bei Herrnburg

Auch die oben gezeigte Aufnahme entstand am 15.05.1988 im Raum des Bahnhofs Herrnburg.  Gut zu erkennen ist das kleine Tor im Metallgitterzaun in Höhe des Beobachtungsturms ("77"), durch das Soldaten der DDR-Grenztruppen gelegentlich kamen, um den Streckenläufer der Reichsbahn auf der Schiene bis zur Grenzlinie zu begleiten oder um am späten Abend bzw. am frühen Morgen Signaldrähte/-schnüre zu legen/entfernen.

7.7.1988

oben: DDR-Grenzsoldaten am Morgen des 7.Juli 1988 beim Entfernen von Signalschnur/-draht westlich des Bahnhofs von Herrnburg. Schnur/Draht waren am Abend zuvor über das Gleis an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg gelegt worden. Von Seiten des DDR-Grenzregimes erhoffte man sich, dass Personen, welche hier die Grenze von Ost nach West oder aber auch von West nach Ost überschritten, Schnur bzw.  Draht übersehen und berühren würden. Bei ausreichendem Zug auf Schnur/Draht wäre ein Leuchtsignal und /oder ein akustisches Signal in Aktion getreten und hätte den/die "Grenzverletzer" sehr wahrscheinlich in das Visier der DDR-Grenztruppen gebracht.



oben und unten: Streckenläufer der Reichsbahn in Begleitung von DDR-Grenzsoldaten an der Grenzlinie bzw. Bahnlinie Lübeck-Herrnburg

Streckenläufer der Reichsbahn und DDR-Grenzsoldaten bei Herrnburg

Bundesdeutsche Zollbeamte bei einer Lok der Reichsbahn

oben: Bundesdeutsche Zollbeamte bei einer Lok der (DDR-)Reichsbahn. Siehe hierzu auch den nachfolgenden Zeitungsartikel


Oben: Dieser Zeitungsbericht wurde in den Lübecker Nachrichten Nr. 86 (13.04.1975)  veröffentlicht.

Bei der Grenzkontrollstelle (GKSt) Moisling wurde auch ich zeitweise eingesetzt. Ein altes Backsteingebäude an der „Buntekuhbrücke" in Lübeck beherbergte diese kleine und gemütliche Dienststelle. Es gab die Schichten „B1", "B2" und "A". Wer B1-Dienst hatte, musste um 06.30 Uhr tätig werden. Ein Bundesbahn-Beamter, der in einem Büro nebenan saß, brachte sogleich die Papiere für den nächsten grenzüberschreitenden Zug. Früh morgens konnte es nur ein Güterzug sein, der entweder Lübeck in Richtung Herrnburg verlassen wollte oder der erste Güterzug, der an diesem Tag aus der DDR bzw. von Herrnburg kam. Gegen 07.30 Uhr hatte der Kollege, der B2-Dienst hatte, bei der GKSt Moisling zu erscheinen. Gemeinsam trat man dann später den Weg zum Lübecker Hauptbahnhof an, um den aus Stralsund kommenden Personenzug D 438 abzufertigen. Ein Kollege stand an der Absperrung und kontrollierte, der andere (der den B2-Dienst hatte) bestieg den Zug, um mit nach Hamburg Hauptbahnhof zu fahren. Er hatte nicht nur nach steuerpflichtigen Waren Ausschau zu halten, sondern war auch dazu da, um den Bundesbürgern, die aufgrund ihres Alters berechtigt waren, ihre gezahlten Visagebühren erstattet zu bekommen, entsprechendes Formular auszuhändigen. Man konnte froh sein, wenn man das in der Zeit (ca. 45 Minuten) schaffte, denn mitunter war der D 438 sehr voll.
Wer A-Dienst hatte, musste 14.30 Uhr bei der Dienststelle sein. Er war bis zum Dienstende (gegen 21.30 Uhr, hing vom letzten grenzüberschreitenden Zug ab) allein und musste in Eigenregie entscheiden, was zu tun war. 

Am Nachmittag hatte der Kollege der A-Schicht zum Hauptbahnhof zu gehen, um den ausgehenden Personenzug (D 439) abzufertigen. Wenn der aus Richtung Köln über Hamburg in den Lübecker Hauptbahnhof einlief, blieben nur wenige Minuten Zeit, um vor allem den Gepäckwagen zu „inspizieren". Die Zollpapiere warfen gelegentlich Fragen auf. Manche Kiste musste auf meine Anordnung wieder ausgeladen werden, um (von anderen Kollegen) später überprüft zu werden. Es gab durchaus Fälle, wo moderne Technik/Teile für Computeranlagen in Richtung Osten gehen sollte(n), wo eine Ausfuhr nicht gestattet war. Anschließend eilte der Kollege wieder in Richtung GKSt Moisling. Es gab Tage, da fuhren nur wenige Züge; da ging es dann relativ „ruhig" zu. An anderen Tagen sah das anders aus und man hatte gut zu tun, die Papiere für den kommenden/abfahrbereiten Zug „fertig" zu bearbeiten, bevor der nächste Güterzug vom Bundesbahner angekündigt wurde. Wenn irgendetwas „unrund" lief oder „verdächtig" erschien, wurde dem Beamten der Bundesbahn gesagt: „Den Waggon XY will ich sehen, der muss aufgemacht werden". Dann liefen wir beide gemeinsam zum Güterzug. Bei Regenwetter nicht angenehm, aber danach ging es ja auch nicht. Und wenn ich dann Beschau machte, musste das natürlich protokolliert werden. War ich mir ob des Ergebnisses nicht sicher bzw. wenn ich vermutete, dass etwas „faul" sein könnte, bekam der Bundesbahn-Kollege von mir Anweisung, dafür Sorge zu tragen, dass entsprechender Waggon abgekoppelt wurde. Dann dauerte es in der Regel nicht lange, bis jemand von einer Firma anrief und sich beschwerte, dass die Ware beim Zoll „festhing". 


21.3.2018

11/1989

Auch am Abend des 9.11.1989 - dem Tag des "Mauerfalls" bzw. der Öffnung der innerdeutschen Grenze -  war ich im Dienst. Ich hatte eine Zeit lang bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz verbracht, als ich meine Streife fortsetzte. Mein Zollhund ARIE war dafür besonders dankbar, denn längere Zeit auf „einem Flecken" stehen, das mochte auch er nicht besonders gern.

Der Marsch in südliche Richtung zu unserem Beobachtungshochstand an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg nahm einige Zeit in Anspruch. Während mein vierbeiniger Begleiter sich für die verschiedenen Düfte in „seinem" Revier interessierte und sich ganz dem Markieren „seines" Abschnittes widmete, beobachtete ich soweit es möglich war die Grenze, die auf DDR-Seite durch eine Lichtsperre beleuchtet wurde. Eine motorisierte DDR-Grenzstreife fuhr den Kolonnenweg entlang und wurde für eine Zeit lang sicht- und/oder hörbar. Das unentwegte Bellen der bemitleidenswerten „Leinenhunde", die im Schutzstreifen ihren Teil zur Sicherung der Grenze beizutragen hatten, begleitete uns durch die „Finnlandsiedlung". Kaum war „Am Teufelsmoor" durchschritten und das Ende der beleuchteten Straße erreicht, umhüllte mich völlige Dunkelheit. Ich verließ mich in dem vor uns liegenden kleinen Waldstück einige Augenblicke ganz auf meinen Hund. Nur noch wenige Meter, dann waren wir am hölzernen Beobachtungshochstand, welcher sich unweit der Grenzlinie befand, angekommen. Ein Blick nach Osten verschaffte mir schnell Gewissheit, dass auch hier alles seine gewohnte Ordnung hatte;  besondere Vorkommnisse waren nicht festzustellen.Und so richtete ich mich auf eine ruhige Nacht ein und setzte in unregelmäßigen Zeitabständen das Fernglas vor die Augen. Herrnburg lag direkt vor mir und war für mich dennoch unerreichbar. Was für eine verrückte Welt: Es war machbar, dem australischen Sydney auf der anderen Seite unserer schönen Erde einen Besuch abzustatten, aber diesen nur wenige Meter entfernten Ort durfte ich nicht betreten. Und ich hätte doch so gern gewusst, wie es dort so aussieht, wie man dort so lebt, was man dort alles erleben kann.

Mir gingen viele Gedanken durch den Kopf. Was wäre eigentlich gewesen, wenn ich damals, an jenem Tag im Februar 1964, nicht in Lübeck, sondern ein paar Kilometer weiter östlich, in der DDR, zur Welt gekommen wäre? Wenn ich dort aufgewachsen und zur Schule gegangen wäre? Hätte mein Leben nicht vielleicht einen ähnlichen Verlauf genommen wie das jener Angehörigen der DDR-Grenztruppen, die sich  mir gegenüber befanden? 

Ich wartete auf den letzten grenzüberschreitenden Zug. Nachdem dieser schließlich den Grenzbereich durchfahren hatte, verließen normalerweise die beiden Soldaten, welche auf dem Beobachtungsturm beim Bahnhof Herrnburg Dienst verrichteten, „ihren" BT, um dann durch ein kleines Tor im Metallgitterzaun auf die Bahnlinie zu gelangen, wo von ihnen ein Draht (der bei genügender Berührung das Zünden von Signalpatronen nach sich zog) gespannt wurde. Aber an diesem Abend wartete ich vergeblich darauf. Äußerst „wachsam" war ich - wie bei allen bisher geleisteten Nachtdiensten, weil  ich doch nur zu gut wusste, dass  Menschen, welche aus der DDR flüchten wollten, oftmals den Schutz der Dunkelheit suchten, um ihr Vorhaben zu realisieren.   

Plötzlich fing ARIE an zu bellen. Dann nahm auch ich Schrittgeräusche wahr. „Halt! Zoll!", rief ich. Schon sah ich die schemenhaften Umrisse eines aus Richtung Westen kommenden Menschen, der aufgrund seiner Uniform nun als Kollege vom Zoll erkennbar wurde. Es war der „BzbV", wie wir den „Beamten zur besonderen Verwendung" nannten. Ich wollte dem Vorgesetzten, Herrn Bosselmann, gerade Meldung erstatten, da kam er mir zuvor: „Herr Krellenberg, was machen Sie denn noch hier? Die Grenze ist doch offen!"  Ich stand da wie vom Blitz getroffen. Grenze offen? Einfach unmöglich! Nein, ich konnte es zunächst nicht glauben und brauchte etwas Zeit, um zu realisieren, dass es sich nicht um einen Scherz, sondern um die Wahrheit handelte. Die Nachricht war überwältigend – die Grenze ist offen – unfassbar, Wahnsinn, einfach fantastisch!

Am Grenzübergang Lübeck- Schlutup/Selmsdorf hätten bereits etliche DDR-Bürger mit „Trabis" und "Wartburgs" die Grenze passiert, berichtete mir der BzbV. Und schon verabschiedete sich der Kollege wieder. Bevor er sein Auto bestieg, um wieder in Richtung Schlutup zu fahren, wo sich schon zahlreiche Menschen freudig umarmten, hatte er mich noch beauftragt, wieder den Schlagbaum Eichholz anzulaufen. Schließlich sei nicht auszuschließen, dass sich aufgrund der jetzigen Lage besondere Geschehnisse an dieser Abschrankung ereignen würden. Ein paar Minuten blieb ich noch an meinem Postierungspunkt und schaute nach „drüben“. Nichts ist nun mehr so wie es früher war, das wurde mir in diesen Augenblicken erst so richtig bewusst. Niemals in meinem bisherigen Leben habe ich Glücks- und Trauermomente zeitgleich und in solchem Maß verspürt! Als Deutscher empfand ich unendliche Freude über die Öffnung der Grenze und ich wollte sie jetzt mit allen, die mir in dieser Nacht noch über den Weg liefen, gerne teilen. Aber auf der anderen Seite ahnte ich, dass meine Tage als an der Grenze zur DDR Dienst verrichtender Zollbeamter gezählt waren und ich schon bald an einen anderen Dienstort versetzt würde.

Meine in all den Jahren bestehende Hoffnung, eine gelingende Flucht eines DDR-Bürgers zu beobachten und diesen dann hier in Empfang zu nehmen und hilfreich zur Seite zu stehen, diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Was würde es für meine Kollegen und mich zukünftig überhaupt noch in dem uns zugewiesenen Grenzabschnitt zu tun geben? Es schien mit einem Male vieles so sinnlos geworden zu sein und die sich nun in mir immer breiter machenden „Ängste" waren, wie sich schon recht bald heraus stellen sollte, durchaus berechtigt.


Die folgenden Fotoaufnahmen betreffend des Bereichs beim Bahnhof Herrnburg wurden nach der "Wende" / Grenzöffnung gefertigt. Das kommende Bild habe ich selbst gemacht, die danach folgenden acht Aufnahmen aus dem Jahr 1990 stammen von Herrn Christoph Arndt und von meinem Freund Karsten ("Zange").


1990

Beim Bahnhof Herrnburg1990

1990

1990

1990

1990

1990

1990

2017

oben und unten: beim damaligen Grenzbahnhof Herrnburg: Verwaiste Gleise dort, wo früher Interzonenzüge abgefertigt wurden.

2017


oben: Der BT 11 ("78") südlich der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg vor und nach der Grenzöffnung


oben: Auszug aus einer "Postentabelle" der DDR-Grenztruppen. Ein DDR-Grenzsoldat, der im Grenzraum bei Herrnburg eingesetzt war und in die Bundesrepublik Deutschland flüchtete, brachte sie mit in den "Westen"


oben: Grenzgebiet bei Lübeck-Eichholz / Herrnburg (um 1970)


An der Wakenitz, beim Beginn des Grenzzuges „f" des Grenzabschnitts „2", endete der Bezirk der Grenzaufsichtsstelle(n) Eichholz. Hier, bei den „13 Pfählen", war das Gebiet teilweise sehr sumpfig und ließ manche Grenzbegehung zu einem „Abenteuer" werden.

Diese „Grenzbegehungen" gab es regelmäßig. Dabei galt es, den gesamten Abschnitt der Grenzaufsichtsstelle unmittelbar an der Grenzlinie abzugehen und zu kontrollieren, ob alle Grenzmarkierungen noch intakt und an Ort und Stelle waren. Vor allem südlich der Bahnlinie Lübeck-Eichholz/Herrnburg wird es teilweise sehr sumpfig, insbesondere in Nähe der Wakenitz. Doch galt es, auch dort zu schauen, ob die sogenannten „13 Pfähle" noch dort standen, wo sie hingehörten. Es war ein Abenteuer! Manchmal musste man von einer Baumwurzel zur nächsten hüpfen, um nicht wegzusacken. Und die Gefahr des „Nicht-Treffens" war groß! Wer glaubte, dass er das nicht tun müsse, weil vor ihm augenscheinlich fester Boden war, wurde oftmals eines Besseren belehrt. Ein „falscher" Schritt ... und man sank ein in den Sumpf! Ein ordentliches Fluchen bei dem Kollegen, den es traf! Und ein schadenfrohes Lachen bei den Kameraden, die (noch) auf festem Boden standen! Man(n) sah aus wie ein „Schwein"! Die Uniform total verdreckt, dazu durchnässt! Nun, hier in der „Wildnis" sah das keiner, außer uns. Aber auf dem Rückweg zur Grenzaufsichtsstelle, die ja innerhalb der „Zivilisation" lag, war es für den verdreckten Beamten peinlich, sich so in der Öffentlichkeit zeigen zu müssen.


oben: ein hölzerner Grenzpfahl, wie er auch an der Wakenitz bei den "13 Pfählen" befindlich war

Grenzverlauf im Raum südlich von Lübeck

oben: die alte Karte zeigt den Grenzverlauf im Raum südlich von Lübeck


oben: Standorte der DDR-Beobachtungstürme im Raum südöstlich Lübeck:  78 = BT(r) südwestlich Bahnlinie Lübeck-Herrnburg / 79 = BT(v) südlich Herrnburg / 80 = BT(r) nordwestlich Schattin / 81 = BTv Führungsstelle westlich Schattin / 82 = BT(r) südwestlich Schattin


Absalonshorst, an der Wakenitz bei Lübeck gelegen, war schon damals ein beliebtes Ziel für Ausflügler aus Nah und Fern. Nähere Infos u.a. hier: http://wiki-de.genealogy.net/Absalonshorst


1985

oben: Grenzraum südwestlich Herrnburg (um 1985)

um 1970

oben: Grenzraum "Am Vierth" in Groß Grönau um 1970

um 1970

oben: Grenzraum Lenschower Tannen

um 1970

oben: Grenzbereich beim "weißen Berg" unweit von Lenschow. Der im Bild zu sehende hölzerne Turm, links vom "BT 11", ist ein sogenannter "trigonometrischer Punkt".

1985

oben: Grenzraum bei Schattin im Jahr 1985

 

oben: Das zu Mecklenburg/DDR gehörende Dorf Lenschow fiel im Jahr 1975 den Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR zum Opfer; es wurde geschleift. Nähere Informationen siehe auch hier: http://www.lenschow-in-memoriam.de/aktuell.html   Auch die bei Nädlershorst befindliche Wochenendsiedlung und das beliebte Fährhaus, eine Gaststätte, existieren zwischenzeitlich nicht mehr; sie wurden im Zuge der Schaffung von Naturausgleichsflächen für die Autobahn A 20 abgerissen. Vor Ort entstand im Jahr 2008 eine neue Brücke über die Wakenitz.

Nädlershorst


oben: Grenze bei Lenschow / Nädlershorst in den 1960er-Jahren. Im unteren Teil des Bildes ist der Fluss "Wakenitz" zu erkennen (Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ)

Unweit von hier ertrank in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai 1958 der damals 18-jährige "fahnenflüchtige" Gefreite Helmut Hohlstein in der Wakenitz. Siehe hierzu http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Hohlstein_Helmut/index.html

Den Tod durch Ertrinken fand auch Siegfried Selke. Der Angehörige der DDR-Grenztruppen starb am 1.Juni 1966 in der Wakenitz beim Versuch, an das westliche Ufer des Flusses zu gelangen. Nähere Informationen unter http://www.fu-berlin.de/sites/fsed/Das-DDR-Grenzregime/Biografien-von-Todesopfern/Selke_Siegfried/index.html

1986

oben: Führungspunkt / Führungsstelle der DDR-Grenztruppen unweit Schattin bzw. im Raum gegenüber von Nädlershorst. Es handelt sich hier um den BTv (FP) "81". Fotosammlung Gerd Wilcken BUNDESGRENZSCHUTZ

1985

oben: Gebäude der DDR-Grenztruppen bei Schattin

Grenzraum bei Schattin im Jahr 19851985

oben: Grenzraum bei Schattin. Aufnahme aus dem Jahr 1985

April 1984

um 1970

Südlich von Nädlershorst, in Richtung Rothenhusen, befindet sich Ziegelhorst. Auf dem Foto, das um 1970 aufgenommen wurde, sind u.a. ein Beobachtungsturm der DDR-Grenztruppen (ein BT 11) und der doppelreihige Metallgitterzaun zu erkennen

um 1970

oben: Grenzbereich bei Rothenhusen um 1970


oben: Zoll und Bundesgrenzschutz spiegelten die ihnen bekannten "Vorkommnisse" an der Grenze in ihren Lageberichten wider

um 1970

oben: Brücke bei Rothenhusen. Das Gebiet der DDR begann am östlichen Ufer des Flusses "Wakenitz"

VW-Bus des Zolls bei der Brücke Rothenhusenum 1970

oben: VW-Bus des Zolls bei der Brücke Rothenhusen

um 1970

oben und unten: beim Fährhaus Rothenhusen

um 1970

um 1970

Bei Rothenhusen, an der Nordspitze des Ratzeburger Sees, endete der Bezirk der Grenzschutzabteilung Küste 1 und des Zollkommissariats Lübeck-Süd. In diesem Bereich gab es damals mehrere Fluchtversuche aus der DDR, die teilweise erfolgreich verliefen.

Für die Überwachung des sich anschließenden Grenzabschnittes  zeichneten von Seiten der Bundesrepublik Deutschland nun Angehörige der Grenzschutzabteilung Küste 2 und des Zollkommissariats Ratzeburg verantwortlich

Utecht

oben: Grenzraum bei Utecht um 1970

Auf Grenzstreife 

Der Wecker kommt nicht zum Einsatz. Noch bevor er mich aus meinen Träumen reißen kann, stelle ich ihn aus. Wieder mal habe ich ihn nicht gebraucht. Es ist 02.45 Uhr an diesem Tag im Jahre 1987. Für die einen ist es „mitten in der Nacht", für die anderen „früh am Morgen". Wie man es auch betrachtet: es ändert nichts an der Tatsache, aufstehen zu müssen. Nein, ich habe kein Problem damit – ein „Morgenmuffel" bin ich nicht! Was nicht heißen soll, dass ich nicht gern länger schlafe.

Um 03.40 Uhr habe ich meine Dienststelle, die Grenzaufsichtsstelle I Eichholz in Lübeck, Guerickestraße 2-4, erreicht. Alle Räumlichkeiten sind dunkel;  es ist kein anderer Kollege da. Ich schließe die Eingangstür hinter mir wieder ab;  sicher ist sicher – gerade zu dieser „unchristlichen" Zeit. Stahlrute, Pistole, Munition, Signalpfeife, Verbandmaterial und Streifen-/Erkennungsmappe sind dem Spind zügig entnommen. Ab geht es zur sogenannten „Lade-Ecke“. Schon ist die 9 mm-Faustfeuerwaffe vorschriftsgemäß durchgeladen und kann in das Holster gesteckt werden.
Jetzt wird ein frischer Akku in eines der aus dem Schrank geholten Funkgeräte getan. Ich schaue auf den am „schwarzen Brett" befindlichen Zettel, der Aufschluss darüber gibt, wie die einzelnen Streifen sich bei der Sprechfunkzentrale während des laufenden Monats zum Dienstbeginn anzumelden haben. „Zigarettenmarke", ist zu lesen.

„Baldur von Baldur 2/55 kommen", sage ich, nachdem ich die Sprechtaste des eingeschalteten Geräts gedrückt habe. „Baldur 2/55 von Baldur kommen", höre ich und antworte daraufhin mit der Nennung von bekannten Glimmstängeln. „Verstanden, Ende Baldur". Der Kollege hat es „gut"; in etwas mehr als zwei Stunden hat er Feierabend – und für mich fängt der Dienst erst an. Aber nein, so will ich es nicht sehen, schließlich gehe ich gern auf Streife. Auf „Patrouille" entlang der innerdeutschen Grenze – zwischen dem Lübecker Stadtteil Eichholz und der Ortschaft Herrnburg, welche sich auf der mecklenburgischen Seite dieser Trennlinie zwischen West und Ost befindet.

Mit meiner Unterschrift im Dienstbuch bin ich offiziell im Dienst. In einer viertel Stunde, wohlgemerkt. Nicht bereits jetzt, gegen 03.45 Uhr, denn der Frühdienst, der für heute angesetzt ist, darf laut bestehender Regelung nicht vor 04.00 Uhr begonnen werden. Und ist dieser Dienst angetreten, hat man(n) ganze 10 Minuten Zeit, um sich vorzubereiten. Dann muss die Dienststelle in Richtung Grenze verlassen werden. „Trödler" sollen so etwas „auf Trab" gebracht und daran erinnert werden, dass die warmen und trockenen Diensträume nicht dazu da sind, um hier länger zu verweilen. Nun, aus diesem Grunde bin ich auch heute bereits sehr früh hier, um mir jene Zeit nehmen zu können, die ich für eine gute Dienstvorbereitung benötige. Ich brauche nicht hetzen und lese mir die letzten Meldungen, die meine Kollegen in den Streifenmeldeblock geschrieben haben, sorgfältig durch. So wie es sich darstellt, ist wirklich Außergewöhnliches nicht dabei; lediglich die routinemäßigen Streifenfahrten/-gänge von den Angehörigen der DDR-Grenztruppen wurden dokumentiert.

Dann kann es ja nun gleich losgehen. Nein, doch noch nicht – zuvor muss ich mich entscheiden, wie lange mein Frühdienst gehen soll. Wenigstens fünf Stunden sind Pflicht, länger als acht Stunden nicht erlaubt, sofern besondere Vorkommnisse dies nicht rechtfertigen. Ich trage „11.30 Uhr" als voraussichtliches Dienstende in die vorgesehene Spalte des Dienstbuchs ein. Die Anzahl der während des Monats zu leistenden Tag- und Nachtdienststunden will schließlich erfüllt sein. Im Dienstbuch werden nun auch eine „Anlaufzeit" und eine „Postierungszeit" eingetragen. Vorgesetzte wollen/sollen/müssen wissen, wo bzw. wann sie mich in meinem zu überwachenden Grenzbezirk antreffen können, falls sie das zu tun gedenken.  Nun gut. 07.00 Uhr werde ich, sofern nichts „dazwischen“ kommt, an der Abschrankung Lübeck-Eichholz anzutreffen sein. Und mindestens in der Zeit zwischen 09.00 bis 09.30 Uhr beabsichtige ich, am Hochstand des Grenzzolldienstes bei der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg zu postieren. Wenn, ja wenn alles normal verläuft. Aber was ist schon „normal" an dieser Grenze! „Sie" ist dermaßen unnatürlich, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit etwas ganz „Außergewöhnliches" darstellt. Kann es einen interessanteren Arbeitsplatz geben?

Bevor ich aufbreche, kontrolliere ich, ob auch wirklich alles dabei ist, was ich benötige. Das Fernglas ist umgehängt, aber die Taschenlampe fehlt noch. Wenn es auch bald hell wird, so regiert doch noch die Dunkelheit. Die dienstlich gelieferte schwache  „Funzel" bleibt im Schrank. Ich greife lieber auf meine privateigene starke Halogen-Lampe zurück, falls Licht gebraucht wird. Die Fotokamera-Ausrüstung möchte auch noch mit - eine „Spiegelreflex“ mit 500 mm-Teleobjektiv.


oben: Manfred Krellenberg am 08.03.1988 bei der Abschrankung Lübeck-Eichholz. Foto und "Auswertungsvermerk" (Grenzaufsichtsstelle Eichholz, Schutzhundführer) wurden von einem DDR-Grenzaufklärer gefertigt. Krellenberg, Regenbekleidung tragend, hat eine Spiegelreflex-Kamera mit 500mm-Teleobjektiv in den Händen

Da ich einer Grenzaufsichtsstelle angehöre, die lediglich zu Fuß und/oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, will gut überlegt sein, was man(n) alles mit sich führt. Die Kollegen, denen ein Dienstkraftwagen zur Verfügung steht, brauchen sich diesbezüglich weniger Gedanken zu machen. Ich schon! Jedes Gramm zusätzliches Gewicht macht sich bemerkbar. Und dennoch: was sein muss, muss sein. Dazu gehören auch die hohen Lederstiefel, die ich trage – zu jeder Jahreszeit. Nein, mit gewöhnlichen Halbschuhen gehe ich nicht los. Sollen die anderen Kollegen es ruhig machen, wenn sie das für angemessen halten. Ich denke da etwas anders drüber und weiß, dass ich eventuell auch dort entlang muss, wo es in das „Gelände" geht. Sollte ich Pech haben und auf eine Schlange treten, so würde mich ein eventueller Biss wahrscheinlich nicht schädigen. Allein schon aus diesem Grund sind die schweren Stiefel für mich unverzichtbar. Ich trage sie, auch im Sommer bei über 30 Grad im Schatten!

Fünf Minuten nach Vier. Ich verlasse die Räume der Grenzaufsichtsstelle I Eichholz, die sich im Gebäude des Zollkommissariats Lübeck-Süd befinden. Erste Anlaufstation ist der Hundezwinger im Kleingartengelände bei der Straße „An den Schießständen". In ungefähr 10 Minuten werde ich ihn erreicht haben. Doch heute dauert es etwas länger. Am Lebensmittelmarkt, welcher sich an der Ecke Gutenbergstraße/Hans-Sachs-Straße befindet, sehe ich eine rote Alarmleuchte blitzen. Nun, wahrscheinlich Fehlalarm. Dennoch schaue ich mir das Gebäude näher an. Mit der starken Halogen-Taschenlampe leuchte ich in das Innere des Geschäfts hinein – und sehe zwei Männer, die sich darin befinden. Einbrecher! Sekunden später wird meine Funkleitzentrale informiert. Es dauert keine drei Minuten, da rauscht der erste „Peterwagen"  heran. Ich verlasse diesen Ort, nachdem die Personen vorläufig festgenommen und in das Polizeiauto verbracht worden sind. Der Tag fängt ja „gut" an, denke ich.

Kurz vor Erreichen des massiven Gebäudes, wo einige Zollhunde des Zollkommissariats Lübeck-Süd untergebracht sind - auch meiner - höre ich plötzlich laute Geräusche. Mit fürchterlichem Krach flitzen ungefähr 20 Meter vor mir zwei Wildschweine aus dem Gebüsch und suchen das Weite. Spätestens jetzt wäre auch die größte „Schlafmütze" wach gewesen! Ja, das war ein gehöriger Schrecken! Glück gehabt, dass diese Situation glimpflich verlief, denn mit „Schwarzkitteln" ist nicht zu spaßen.


Als ich jene Tür aufschließe, die mich noch von meinem Diensthund ARIE trennt, fällt aller Ballast von mir ab – endlich bin ich wieder mit meinem vierbeinigen Freund vereint, sind wir zusammen und können wieder gemeinsam auf Streife gehen. Das freudige Gebell meines privateigenen Diensthunds lässt keinen Zweifel daran, dass auch ARIE so denkt. Mit einem „Affenzahn" saust er umher und springt mich immer wieder an, so glücklich ist er. Ja, das bin auch ich! Es gibt kaum Schöneres, als diese Momente, die auf diese Weise zum Ausdruck bringen: WIR GEHÖREN ZUSAMMEN!

„Komm, mein Freund; ich mache jetzt erst mal deinen Zwinger sauber“, sind meine weiteren Gedanken. Soweit es überhaupt möglich ist, soll er sich hier einigermaßen wohl fühlen. Dass seine Schlafstätte gut gepolstert ist, gehört für mich dazu. Der Wassernapf wird neu gefüllt und das Trockenfutter, das er später zusammen mit seinem geliebten „Pansen" erhält, jetzt soweit vorbereitet, dass es nachher, bei Dienstschluss, servier-fertig ist.  Die anderen Hunde, die sich in dieser Zwingeranlage befinden, tun mir leid. Auch sie möchten endlich raus, möchten sich bewegen. Ach, ich würde sie gern alle mitnehmen! Aber leider darf sich jetzt nur mein ARIE freuen. Alle anderen Tiere  müssen sich noch etwas gedulden, bis auch ihr „Herrchen" erscheint und sie „holt". Möge es recht bald geschehen.


Gute fünfzehn Minuten später erreichen ARIE und ich den Behaimring. Keine Menschenseele weit und breit zu sehen, obwohl hier viele Leute wohnen.   

Man sagt, dass die Zöllner alle „Sträucher in ihrem Beritt" kennen – ja, so ist es tatsächlich. Wer fast täglich in einem relativ kleinen Bereich unterwegs ist, weiß, wie es dort aussieht und was dort hingehört. Das ist der Vorteil des Zolls! Im Gegensatz zu den Beamten des Bundesgrenzschutzes, die nur wenige Male im Monat in den Grenzdienst gehen und dann einen meist viel größeren Bereich zu bestreifen haben, so sind die Angehörigen des Zolls doch viel besser mit den Örtlichkeiten vertraut.

Schon ist der Bereich an der Abschrankung Lübeck-Eichholz erreicht. Wenngleich es auch zu dämmern beginnt, so ist es doch noch ziemlich dunkel. Das, was ich sehe, ist nicht viel. Wie gut, dass ich mich auf meinen Zollhund verlassen kann. Er ist so viel mehr als „nur" Diensthund – er ist mein bester Freund! Sollte dort, wo wir uns jetzt gemeinsam hinbewegen, etwas sein, so wird er es anzeigen; ich muss nur darauf achten, wie er sich verhält. Wenn er etwas im „Blick“ hat, dann lässt er es mich wissen!

Ihn bei mir zu haben, ist im Grunde genommen viel wertvoller als die Anwesenheit eines menschlichen Kollegen. Hunde nehmen gewisse Dinge wahr, die wir Menschen nicht oder erst viel später registrieren würden. Ein Zollbeamter, der allein mit seinem „Beschützer" unterwegs ist, ist in der Regel eine viel wertvollere Streife, als ein Trupp von Zoll- oder Bundesgrenzschutz-Beamten ohne Hund. Während es bei mehreren Leuten wohl kaum ausbleibt, dass man sich miteinander unterhält (was von „gegnerischen" Kräften auf relativ große Entfernung hörbar ist, insbesondere während der Nacht), so sind Zöllner und Zollhund ein Team, das sich auch ohne „Geplapper“ versteht. Und wer etwas mitbekommt, ohne zuvor wahrgenommen worden zu sein, ist der Gewinner.

ARIE ist entspannt. Nichts deutet darauf hin, dass sich unmittelbar vor mir Grenzsoldaten auf dem „vorgelagerten Hoheitsgebiet" der DDR befinden. Vermutlich die nächsten sind Jene, die ich nun durch mein Fernglas betrachte. Sie postieren auf dem Beobachtungsturm „1376“, wie der „BT", welcher gegenüber des sogenannten „Schlagbaum Eichholz" steht,  von Seiten des Zolls und BGS bezeichnet wird. Ihre Umrisse sind in meinem Nachtglas nur schemenhaft zu erkennen. Und doch sind es Menschen – wie ich. Mit all ihren Sorgen und mit all ihren Wünschen und Hoffnungen. Es sind Deutsche, Landsmänner – auch wenn sie auf der anderen Seite dieser Grenze dienen. Aber diese Soldaten haben einen Auftrag, der in bestimmten Bereichen „konträr“ zu meinem steht. Würden wir aufeinander schießen bei Eintritt bestimmter Situationen? Ich befürchte ja!

Nordöstlich meines Standpunkts rauscht eine „LK 1-Stern-Rot" in den Himmel. Was mag sie bedeuten? Was ist drüben los – was ist der Grund für die Abgabe dieses Leuchtsignals? Es ist sehr schwer, die Entfernung zu schätzen, von wo aus die Leuchtkugel(n) abgeschossen wurden. Auf jeden Fall ist es erforderlich, jetzt zu beobachten, was sich „drüben" tut, was sich dort nun ereignet. Um auf die ungefähre Höhe des „LK-Verschusses" zu kommen, wechsle ich meinen Standort und betrete das sogenannte „Denkmalschutzgebiet", das sich nördlich der Abschrankung Eichholz befindet. Doch ich sehe und höre nichts und das große FRAGEZEICHEN bleibt bestehen.

Die Dienstanweisungen sind verpflichtend und veranlassen mich, meiner Funksprechzentrale Kenntnis zu geben über dieses Vorkommnis. Ich bleibe vor Ort und beobachte/"lausche" weiter, doch hat durch diesen Funkspruch  spätestens jetzt auch die Gegenseite Gewissheit darüber, dass sich eine Streife des Zolls im Raum Lübeck-Eichholz befindet - sofern die in Selmsdorf befindlichen Funkaufklärer der DDR-Grenztruppen nicht „schlafen“.

Obwohl nichts mehr zu vernehmen ist, verbleibe ich mit meinem Hund unweit der Grenzlinie. Das ist meine Aufgabe, hierzu fühle ich mich verpflichtet. Mag es auch den einen und anderen Kollegen geben, der nun die Ruhe finden würde, um es sich in einer Schutzhütte „gemütlich" zu machen; auf mich trifft das nicht zu.

Die Streifentätigkeit der DDR-Grenztruppen wird nicht verstärkt. Und dennoch will der Gedanke nicht weichen, dass da „etwas" ist bzw. gewesen sein könnte – dass sich irgendwo dort, nicht allzu weit von mir entfernt, eine Tragödie vollzieht, von der ich keine Kenntnis erhalte. Das nehme ich mit. Auch im Jahr 2018 werde ich all das, was ich im Laufe meiner Grenzdienstzeit erleb(t)e, nicht vergessen haben. Tief brennt sich Manches ein!

Die „Anlaufzeit" halte ich ein.  Punkt 07.00 Uhr bin ich an jener Abschrankung, welche im Jahr 1958 von westdeutscher Seite errichtet wurde, um kenntlich zu machen: bis dort und nicht weiter; hier ist die Grenze. Wer das ignoriert, begibt sich in Gefahr, kann von Kräften der DDR-Grenztruppen festgenommen werden. Und eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe durch ein Gericht der DDR könnte die Folge sein.

Gegen 08.00 Uhr trifft eine andere Zollstreife ein und löst uns ab. Wenngleich es auch keine Pflicht ist, diesen Raum rund um die Uhr zu besetzen, so ist es doch von Vorteil, eine Streife des Zolls oder Bundesgrenzschutzes vor Ort zu haben. Viel zu viel hat sich bei diesem Besucher-Schwerpunkt bereits ereignet.

Nach Lageberichterstattung und kurzer Unterhaltung mache ich mich auf in Richtung Bahnlinie Lübeck-Herrnburg. Mein vierbeiniger Freund markiert hin und wieder „seinen" Abschnitt, während ich gelegentlich nach „Osten" blicke und versuche, alles im Griff zu behalten. Dann wird der Hochstand an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg erreicht. Von hier aus hat man einen guten Überblick auf das Geschehen im hiesigen Grenzraum -  den besten im mir zugeteilten Abschnitt.  Gegen 09.30 Uhr sehe ich, wie ein Streckenläufer der DDR-Reichsbahn sich in Begleitung von zwei Grenzsoldaten auf dem Gleis auf die Grenzlinie zubewegt. Kurz vor der Grenze bleiben die Soldaten stehen. Der Streckenläufer der Reichsbahn überquert allein die Grenze, um das unweit der Grenze, aber auf Bundesgebiet befindliche Vorsignal zu begutachten/kontrollieren.

„Guten Morgen", sage ich und nehme zum Gruß die rechte Hand an meine Dienstmütze, als wir uns gegenüberstehen. Ein angedeutetes Kopfnicken und ein Zwinkern in seinen Augen sind seine Antwort. Ja, ich weiß, „viel mehr" ist nicht drin. Weder für den Reichsbahner, noch für die beiden DDR-Grenzsoldaten. Aber das allein bedeutet mir schon sehr viel und lässt mich glauben, dass uns im tiefsten Innern mehr verbindet, als trennt.

Die Zeit ist gekommen, um wieder in Richtung „Schlagbaum Eichholz" zu marschieren. Der Kollege, der dort postiert, möchte auch mal fort von hier und sich „bewegen". Während dieser sich nun aufmacht, um den Grenzbereich Richtung Schlutup zu bestreifen, übernehmen ARIE und ich hier die Wache. Dass es gut ist, „präsent" zu sein, beweisen die vielen Besucher, die zum Ende der Brandenbaumer Landstraße kommen. Mancher Bus fährt heran und „speit" Menschen aus, die sich einen Eindruck von Jenem verschaffen möchten, was sich an Ort und Stelle tut. Nun heißt es,  die angekommenen  Gäste zu begrüßen, Grenzinformationsmaterialien zu verteilen, in den Verlauf der Grenze einzuweisen, etwas zur Entstehung der Grenze zu sagen, regionale Grenzgeschichten zu erzählen und als „Fotomotiv“ zu dienen. Während die Kameras klicken, höre ich zum x-ten Male den Begriff "Niemandsland".  Ja, auch dazu bin ich hier: um den Grenzbesuchern zu erläutern, dass es ein solches nicht gibt. Doch nicht zuletzt stehen mein Diensthund und ich hier, um dafür zu sorgen, dass nichts passiert und keiner durch Unachtsamkeit oder leichtsinniges Handeln zu Schaden kommt. „Nichtbeachtungen des Grenzverlaufs" bleiben aus und die Leute kehren zufrieden zu den Bussen zurück. Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass es auch für ARIE und mich Zeit ist, zu gehen. Gleich ist „Feierabend“.


Doch „Schluss" ist noch lange nicht. Viel zu tief hat sich das im Laufe der Jahre Erlebte in die Seele eingegraben, als dass ich wirklich „abschalten“ könnte. Sie, die Grenze, wird mich begleiten – in vielen Träumen, auch über  den 9. November 1989  und 3. Oktober 1990 hinaus. Und meine Freunde ARIE und ARCO, die sind immer dabei.

ARIE

Zollhund ARIE

ARCO

Zollhundeschule Bleckede

oben: Zollhundeschule Bleckede



oben: Auszüge aus meiner "Akte" bei der Staatssicherheit - Im Jahre 1988 reiste ich erstmalig in die DDR, um meinen langjährigen Brieffreund Jens Behrens in Stralsund zu besuchen. Wir schrieben uns seit 1972, nachdem Jens einen von mir in Bad Schwartau den Lüften übergebenen Luftballon auf dem Fischland Darß gefunden und mir Kenntnis darüber gegeben hatte.
Eine wundervolle Freundschaft entstand.
Der Wunsch, uns mal „richtig“ kennenzulernen, wuchs mit der Zeit. Ein „Visum“ wurde beschafft und die Genehmigung für die Einreise in die DDR erteilt. Meine Frau Anja  begleitete mich im Mai 1988. Wir nahmen den Zug, um von Lübeck nach Stralsund zu kommen. Die Grenzabfertigung bei Herrnburg durch die Grenzorgane der DDR verlief ohne besondere Vorkommnisse und völlig korrekt; meine Frau und ich hatten keinen Grund zur Beschwerde.  Später reisten wir mit unserem Auto, einen Opel Kadett "D", über die GÜSt Selmsdorf nach Stralsund. Die Reisen in den "Ostblock" waren für mich als Angehörigen des Zolls bzw. in meiner Funktion "anzeigepflichtig". Und bei jeder Rückkehr machte ich "Meldung" bei meinem Dienstvorgesetzten und erstattete "Bericht".  


oben: Stempel der DDR im Reisepass von Manfred Krellenberg

Tag des Zolls am 02.09.2017 in Hamburg


https://www.youtube.com/watch?v=VbyGvQSBS4U


Gewehr G3

oben: Während meiner Zugehörigkeit zum Zollkommissariat Lübeck-Süd (1983-1990) wurde auch mit dem Gewehr G3 geschossen. Dazu fuhren wir zum Schießstand des Bundesgrenzschutzes nach Stockelsdorf in die Lohstraße (später in die "Wüstenei", Schießstand der Bundeswehr). Jeder Waffenträger des Grenzaufsichtsdienstes hatte damals mit dem G3 mindestens 20 Schuss jährlich abzugeben. Aufgrund dieser geringen Schusszahl kann man erkennen, dass das Gewehr "G3" nur eine untergeordnete Rolle beim Zoll spielte. Mit der Pistole SIG SAUER "P 6" (Zivil-Bezeichnung: "P 225") und der Maschinenpistole "Mpi 5" von Heckler & Koch  wurde wesentlich öfter geschossen (1-2 mal im Monat).
Mit dem Gewehr "G3" wurde auf der 100 Meter-Bahn trainiert. Hier gab es mehrere Übungen: liegend schießend, kniend schießend, „angestrichen" (an einem Holzpfahl oder irgendetwas anderem angelehnt) oder freihändig schießend. Am Ziel bzw. den Scheiben befand sich unterhalb der Schussbahn ein sogenannter Deckungsstand. Hier waren zwei Beamte, die einen Stahlhelm trugen (Wehrmachtsform), um am Kopfbereich gegen eventuelle Splitter geschützt zu sein. Sie hatten ein Funkgerät bei sich, mit dem sie sich mit dem Stand, wo die Aufsichtskräfte und der Schütze befindlich waren, verständigen konnten. Wenn der Schütze seine Übung beendet hatte, erhielten die Leute im Deckungsstand Mitteilung darüber. Die Scheiben wurden nun nach „unten" gefahren und ausgewertet. Das Ergebnis wurde dann mittels Funkspruch dem „Schreiber" mitgeteilt. Dann wurden die Schusslöcher zugeklebt und die Scheibe wieder nach oben gebracht. Funkspruch, dass Scheiben wieder klar zum Beschuss sind.


oben: den "Zollkarabiner 52" habe ich persönlich nicht mehr kennengelernt, da dieser zu meiner Zeit bereits bei der Bundeszollverwaltung ausgemustert worden war (Anfang der 1970er-Jahre). Die dienstälteren Kollegen berichteten mir, dass der Rückstoß des Gewehres - auf der Konstruktion des Wehrmachtskarabiners 98 basierend - "gewaltig" war.  


oben: Manfred Krellenberg mit Maschinenpistole Mpi 5 (Hersteller: Heckler & Koch) an der Grenze zur DDR


oben: Manfred Krellenberg in Zivilkleidung bei der Abschrankung Eichholz - fotografiert von DDR-Grenzsoldaten

HK 4 Heckler & Koch

Pistole Heckler & Koch "HK 4". Ich wurde an dieser Waffe ausgebildet, ebenso an der SIG SAUER P 6 (P 225), Kaliber 9 x 19 Parabellum. Die HK 4-Pistole im Kaliber 7,65 mm Browning war mit der verwendeten Munition verhältnismäßig "schwach", da die Geschosse nur relativ geringe Stoppwirkung hatten.
Die Energieabgabe der 9mm-Geschosse aus der Pistole "SIG SAUER P6" war größer, entsprechend die Stoppwirkung. Nachteilig war jedoch, dass auch aus dieser Waffe lediglich Vollmantelgeschosse abgefeuert wurden. Mit Einführung der nächsten (aktuellen) Zoll-Dienstpistole und sogenannter "Action"-Munition wurde die Geschoss-Energieabgabe nochmals erheblich gesteigert und die Möglichkeit geschaffen, einen "Angreifer" im Falle der Notwehr sehr schnell "handlungsunfähig" zu machen.


oben: Vergleichsschießen des Zollkommissariats Lübeck-Süd mit der Pistole "P6". Als ich am 10.11.1989 die Urkunde mitsamt Pokal für den "2. Platz" erhielt, war die Verleihung "nebensächlich" - anlässlich der Grenzöffnung am Vorabend waren wir "Grenzer" mit den Gedanken ganz woanders... 

1989

oben: 40 Jahre Zollkommissariat (Lübeck-) Süd - Ausstellung in der Guerickestraße 2-4 in 2400 Lübeck im Jahr 1989

Bezirk Zollgrenzkommissariat Lübeck-Ost im Jahr 19511951

Lübecker Nachrichten vom 2.3.1968 betreffend Zollkommissariat Lübeck-Süd1968


Lieferschein für persönliche Ausrüstung

Ob meine damalige Dienstpistole mit der Nummer "608043" noch existiert? Und wenn ja, wer hat diese Waffe der Bundeszollverwaltung bzw. der "BZV" heute in seinem Besitz? Info bitte an mkrelle@t-online.de


oben und unten: Zollschule Rupprechtstegen



Die erste "Aufsichtsarbeit" im Fachgebiet "Recht des Grenzzolldienstes und Grenzdienstkunde" galt es am 22.09.1981 für mich und die anderen Zollanwärter bei der Zollschule Rupprechtstegen zu meistern.








oben: Einführungslehrgang bei der Zollschule Rupprechtstegen


oben: Praktische Ausbildung der Gruppe 4 des Einstellungslehrgangs 8/1981 im Bereich des Hauptzollamts Flensburg


oben: Teilbereiche (Pförtnerhaus und der Neubau) der Zollschule Bad Gandersheim im Jahr 1983


oben: Unterrichtsplan für den Abschluss-Lehrgang 3/1983 (bzw. des Einstellungsjahrgangs 8/1981) an der Zollschule Bad Gandersheim


oben: als ich oben gezeigtes Schreiben erhielt, war ich beim Abschlusslehrgang in der Zollschule Bad Gandersheim. Was für eine große Freude, zur Grenzaufsichtsstelle I Eichholz des Zollkommissariats Lübeck-Süd versetzt zu werden! Am 26.07.1983 konnte ich dort meinen Dienst antreten.


oben: Dienstplan der Grenzaufsichtsstelle Eichholz, dessen Angehöriger ich war. Im Oktober 1989 hatte ich folgenden Dienst zu verrichten:

16. Oktober 1989: Teilnahme am Dienstsport
17. Oktober 1989: „V“ (Vormittags)-Streifendienst (bzw. "Grenzaufsichtsdienst"). Zu beginnen in der Zeit zwischen 06.00 und 08.00 Uhr.
17. Oktober 1989: „VM“(Vor-Mitternacht)-Streifendienst. Zu beginnen zwischen 18.00 und 20.00 Uhr
19. Oktober 1989: „N“ (Nachmittags)-Streifendienst. Zu beginnen zwischen 12.00 und 14.00 Uhr
20. Oktober 1989: „B2“-Dienst bei der Grenzkontrollstelle Moisling (u.a. Dienst im Interzonenzug "D 438" von Lübeck nach Hamburg)
21. Oktober 1989: „A“-Dienst bei der Grenzkontrollstelle Moisling (14.30 Uhr bis ca. 21.30 Uhr)
22. Oktober 1989: „N“ (Nachmittags)-Streifendienst
23. Oktober 1989: „VM“ (Vor-Mitternacht)-Streifendienst Ü 13
„Ü 13“ bedeutete, dass man Dienstanfang und Ende abzustellen hatte auf jene Zeit, wo der Zoll nach vorheriger Absprache mit dem BGS im entsprechenden Überwachungsraum präsent zu sein hatte.
25.Oktober 1989: „NM“ (Nach-Mitternacht)-Streifendienst. Dienstbeginn zwischen 23.00 Uhr und 01.00 Uhr
27. Oktober 1989: Schießen (ob nun Training mit Pistole P6, MPi 5 oder Gewehr G3 entzieht sich meiner Erinnerung)
28. Oktober 1989: dienstfrei
29. Oktober 1989: dienstfrei
30. Oktober 1989: dienstfrei
31. Oktober 1989: Teilnahme an Zollhunde-Übung

VW-Transporter des Zolls - fotografiert von Soldaten der DDR-Grenztruppen

Dienstwagen VW Golf II HL-35 der Bundeszollverwaltung

oben: Zoll-Fahrzeug VW Golf II, Kennzeichen HL-35, an der innerdeutschen Grenze bei Lübeck. Ein DDR-Grenzaufklärer fertigte damals dieses Bild. Der "Auswertungsvermerk" ist nicht den Tatsachen entsprechend. Der Dienstwagen gehörte nicht zur "mot.Gast.-Lübeck" (gemeint war die motorisierte GASt Lübeck-Süd), sondern wurde vom Leiter des Zollkommissariats Süd bzw. dem Vertreter des Leiters des ZKom Süd gefahren. Scheinbar war das dem Soldaten, der den "Auswertungsvermerk" zum Foto schrieb, nicht bekannt.

Folgende Dienstwagen des ZKom Süd bzw. für dienstliche Zwecke genutzte damalige Fahrzeuge sind in meiner Erinnerung:

VW-Transporter T 3, HL-54, GASt Lübeck-Süd, Funkname des eingebauten 2-Meter-Band-Gerätes: "Baldur 2/6"

VW-Transporter HL-54 des Zolls in Lübeck - Foto von Claus TiedemannHL-54

oben: VW-Transporter HL-54 der Bundeszollverwaltung (HZA Lübeck-Ost, ZKom Süd, GASt Lübeck-Süd) bei der Grenzkontrollstelle Eichholz am 27.01.1990 (Foto: Claus Tiedemann)

VW Golf II, HL-35, Zollkommissar und Vertreter, Funkname "Baldur 2/1"

Audi HL-AK 109, Beamter zur besonderen Verwendung (BzbV), Funkname "Baldur 2/2"

Opel Kadett, HL-115, Zollhundelehrwart und Vertreter, Funkname "Baldur 2/3"

VW-Transporter T 3, HL-43, GASt A Lübeck, Funkname "Baldur 2/5"

VW-Transporter T 2, HL-29, GASt S Lübeck-Süd, Funkname "Baldur 2/10"

VW-Transporter T 3, HL-179, GASt Lübeck-Süd, Funkname "Baldur 2/7"

VW-Passat, GASt Priwall, Funkname "Baldur 2/9"

BGS

VW T1 des BundesgrenzschutzesBGS

Bundespolizei

Bundesgrenzschutz

Sonderwagen SW 1 Mowag Büssing BundesgrenzschutzBGS

BGS

BGS

BGS

Hubschrauber ALOUETTE des BundesgrenzschutzBGS

BundesgrenzschutzBGS

BGS

BGS

Tatort

"Kommissarin Anja" hat den "Täter" bereits im Blick

BGS

BundesgrenzschutzBGS

BGS

BGS

Motorräder bzw. Kräder des Bundesgrenzschutzes


DDR-Grenzer erhält von bundesdeutschem Zollbeamten Feuer zum Anzünden einer Zigarette

oben: Ein bundesdeutscher Zollbeamter gibt einem DDR-Grenzer Feuer zum Anzünden einer Zigarette (1960er-Jahre). 


oben: Beamte der Bundeszollverwaltung und Angehörige der DDR-Grenztruppen an der Grenze bei Lübeck (1960er-Jahre).

Aufenthaltsgenehmigung 19581958

oben: Aufenthaltsgenehmigung aus dem Jahr 1958 für Herrn Hans Waack, dem Urgroßvater von Manfred Krellenberg



oben: Das von mir verfasste Buch "An der innerdeutschen Grenze zwischen Lübeck und Herrnburg" hat über 300 Seiten und enthält viele Fotos, Karten und sonstige zeitgeschichtliche Dokumente. Es ist nicht im Handel erhältlich. Bei Interesse Mail an mkrelle@t-online.de

Vermerk: Sämtliche Buch-Exemplare vergeben. Nachdruck zurzeit nicht geplant.

März 1949

oben: ZOLL im März 1949 an der "Ostzonengrenze"  


oben: Stempel des Zollboots HAMBURG. Auf dem Briefumschlag befinden sich ferner die 100 Pfennig Briefmarke "Hamburg", welche 1993 abgestempelt wurde mit einem Dienstsiegel des Hauptzollamts Hamburg-Ericus. Etwas für "Philatelisten", Freunden des Zolls und/oder Sammler von Schiffsstempeln!



Zollassistent zur Anstellung Manfred Krellenberg im Jahr 1983M. Krellenberg

Ich war 15 Jahre jung, als ich mich zum ersten Mal mit dem Aufgabenfeld eines Zollbeamten befasste. Die Tätigkeiten des Grenzzolldienstes, insbesondere des Grenzaufsichtsdienstes an der Grenze zur DDR, interessierten mich sehr. Die extreme Unnatürlichkeit dieser Grenze war es, die mich so außergewöhnlich faszinierte; sie übte einen besonderen Reiz auf mich aus und ließ mich 1980 den Entschluss fassen, mich beim Zoll zu bewerben.

Vielleicht fragt sich Mancher, warum nicht Bundesgrenzschutz (BGS, heute Bundespolizei)? Nun, ich hatte mich zuvor darüber informiert, dass der einzelne BGS-Beamte nicht täglich Grenzstreife gehen bzw. fahren konnte, da die Polizei des Bundes schon damals auch andere Aufgaben zu bewältigen hatte, u.a. Schutzmaßnahmen bei Demonstrationen. Ich zog den regelmäßigen Grenzdienst (beim Zoll) den (beim BGS) möglichen Konfrontationen mit „Krawallmachern" vor und hoffte zudem, in naher Zukunft einen Diensthund an meiner Seite zu haben. Möglichkeiten, „meinen" Traum zu verwirklichen, bot zu jener Zeit nur der Zoll und so war es schließlich ein großes Geschenk für mich, als ich die Einstellungszusage von der Oberfinanzdirektion Kiel erhielt.

Im August 1981 begann die zweijährige Ausbildung mit einem dreimonatigen Einführungslehrgang an der Zollschule Rupprechtstegen. Hier galt es zunächst, sich mit den originären Aufgaben der Bundeszollverwaltung vertraut zu machen. Die zollamtliche Überwachung des Warenverkehrs über die Grenze mit allen daraus resultierenden Aufgaben und Tätigkeiten – das war wichtigstes Thema des Unterrichts. Welche immens große Bedeutung der Zoll als Einnahmeverwaltung des Bundes hat, das wurde uns Zollschülern hier erst so richtig bewusst. Mancher Unterrichtsstoff gestaltete sich zuweilen aber ziemlich „trocken" und wollte nur mit „Nachdruck" im Gedächtnis haften bleiben. Gleichwohl wissend, dass ich einen Großteil des Erlernten als Aufsichtsdienstbeamter an der Grenze zur DDR nicht mehr benötigen würde, so musste ich mir im Laufe der nächsten 24 Monate doch alle wichtigen Kenntnisse aneignen, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Und ich schaffte es und war unendlich froh und dankbar, als ich schließlich die Ernennungsurkunde zum Zollassistenten zur Anstellung erhielt.

Zudem hatte ich kurz zuvor erfahren, wo ich zukünftig meinen Dienst verrichten sollte: ich war wunschgemäß zur Grenzaufsichtsstelle (GASt) I Eichholz versetzt worden, wo ich bereits am 26. Juli 1983 meinen Dienst aufnehmen sollte. Ich hatte das Gefühl, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, da ich fortan jenes machen konnte, wozu ich ganz besonders große Lust hatte (im Gegensatz zu einigen anderen Kollegen, die – obwohl im Norden Deutschlands unweit der dänischen Grenze zu Hause – sich nunmehr genötigt sahen, Abschied von der Heimat zu nehmen und statt originäre Zollaufgaben nun vom Bundesgrenzschutz übertragene grenzpolizeiliche Aufgaben an der Grenze zur DDR wahrzunehmen. Für diese Kameraden brach nun die Welt zusammen).

Für mich fing mein Berufsleben jetzt erst richtig an. Der „aB" – so bezeichneten wir den "aufsichtführenden Beamten" der Grenzaufsichtsstelle – nahm sich meiner an und wies mich in den kommenden Tagen in den zu überwachenden Grenzabschnitt ein. „Kalle" Schöning´s überaus freundschaftliche und kameradschaftliche Art machte es mir leicht, sich bei dieser Dienststelle einzuleben. Nicht unerheblichen Anteil hatten daran auch die anderen Kollegen der beiden GASten Eichholz; sie nahmen mich herzlich in ihren Kreis auf und sorgten dafür, dass ich mich bei ihnen wohl fühlte.

Die nächsten Wochen ging es ausschließlich auf Doppelstreife (meist mit Maschinenpistole ausgerüstet). Erst als sichergestellt war, dass ich mit dem Grenzabschnitt voll vertraut war, erhielt ich die Erlaubnis, den Grenzaufsichtsdienst allein und „nach Ermessen" zu verrichten. Wobei das „Ermessen" natürlich einen begrenzten Umfang hatte! War im Dienstbuch ein „Fr" (Frühdienst) vorgegeben, so konnte ich meinen Dienstbeginn zwischen 04.00 und 06.00 Uhr bestimmen. Bei „V" (Vormittagsdienst) war es mir freigestellt, bereits um 06.00 Uhr oder erst um 08.00 Uhr in Richtung Grenze auszurücken. Bei „N" (Nachmittagsdienst) konnte ich zwischen 12.00 und 14.00 Uhr wählen, wobei der Beginn des Dienstes während dieser 2-stündigen-Ermessensspielräume jeweils alle zehn Minuten (später dann abgeändert in 15-Minuten-Takt) erfolgen konnte. Auch war es mir weitgehend möglich, zu entscheiden, wie lange meine Dienstschicht dauern sollte. Minimum waren 5 Stunden, Maximum in der Regel 8 Stunden (bei besonderen Vorkommnissen konnte davon natürlich abgewichen werden). Man musste aber darauf achten, dass man das jeweilige Monatsdienstmaß, also die zu leistenden Tag-und Nachtdienststunden, auch annähernd erfüllte.

Um die 50 Nachtstunden (Dienstverrichtung zwischen 20.00 und 06.00 Uhr) musste jeder von uns monatlich an der Grenze verbringen. Diese Nachtschichten (es gab die "VM"-Schicht, Dienstbeginn zwischen 18.00 und 20.00 Uhr sowie die "NM"-Schicht, Dienstbeginn zwischen 23.00 Uhr und 01.00 Uhr) forderten dem Körper Manches ab. Erst 19-jährig, machte sich das bei mir aber noch nicht bemerkbar.

Leider konnte ich das meiste Wissen, das ich mir während der gerade erst abgeschlossenen Berufsausbildung angeeignet hatte, gleich „über Bord" werfen. Hier waren nun ganz andere Dinge gefragt, Sachen, über die wir in den Zollschulen nicht unterrichtet worden waren. Jetzt waren Kenntnisse über die DDR-Grenztruppen und deren Bewaffnung wichtig, ebenso musste ich mich nun mit den verschiedenen Landfahrzeug- und Hubschraubertypen des „Ostens" auskennen. Die einzelnen Wegepunkte im bundesdeutschen Grenzabschnitt galt es nun ebenso „im Kopf" zu haben wie die Bezeichnungen der Grenzsperranlagen der DDR. So hatte beispielsweise jeder Beobachtungsturm eine eigene Nummernbezeichnung, die es bei der Abwicklung des Funk- und Schriftverkehrs zu nennen galt. Glücklicherweise hatte ich mit dem Erlernen dieser „Materie" keinerlei Schwierigkeiten, da ich mich für alles, was mit dieser Grenze zusammen hing, sehr interessierte. Mag es auch so manchen Kollegen gegeben haben, der den Dienst hier absolut langweilig fand, so gelang es mir in all den Jahren, die ich hier Dienst verrichten durfte, immer wieder Neues zu entdecken.

Und in der Tat lag doch eine ganze Menge Spannung in diesem Raum; war hier doch nicht nur die Trennlinie zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, sondern auch zwischen NATO und Warschauer Pakt. Hier prallten zwei große Blöcke aufeinander - Systeme, die einander nicht wohlgesonnen waren. Das Verhalten der DDR-Grenzsoldaten, die (befehlsgemäß) nicht einmal den ihnen dargebotenen Tagesgruß bei einer Begegnung an der Grenze erwiderten, verstärkte noch den Eindruck, dass man sich hier weniger als „Landsmänner" betrachtete, sondern vielmehr als „Gegner". Ein Aufeinandertreffen hatte einen ganz besonderen Reiz, manchmal war es sogar etwas unheimlich, wenn man sich plötzlich auf wenige Meter Entfernung gegenüber stand.

Wurde die Funksprechzentrale „Baldur" des Hauptzollamtes Lübeck-Ost bereits über die „normale" Streifentätigkeit der DDR-Grenztruppe laufend von uns Grenzaufsichtsdienstbeamten unterrichtet (z.B. „um 08.13 Uhr eine Zwei-Mann-Greso-Kradstreife auf dem bKW von Nord nach Süd den BT 1376 passierend"), so musste die Leitstelle natürlich auch sofort in Kenntnis gesetzt werden, wenn DDR-Grenzaufklärer in Erscheinung traten. Handelte es sich um bereits bekannte Soldaten der Grenztruppe, so waren diese in unserer „GAK"-Kartei mit einer Nummer versehen worden und wir meldeten dann z.B., dass der Hauptmann „Nr. 13" und Fähnrich „Nr. 7" unweit der DDR-Grenzsäule gegenüber Schlagbaum Eichholz postieren würden, bewaffnet mit Pistole Makarov und MPi Kalaschnikow Modell..., ausgerüstet mit Fernglas, Funkgerät UFT 771, Fotokamera Praktika mit Teleobjektiv usw.

Da ich auch einen Fotoapparat bei mir hatte, versuchte ich, die Soldaten der Grenztruppe auf das Negativ zu bannen. Sie machten es mir meist nicht leicht, sondern drehten sich weg oder setzten ihre Ferngläser vor die Augen, damit ihre Gesichter auf den Fotos nicht zu erkennen sein würden. Doch ich hatte Zeit und Geduld und wurde dafür in vielen Fällen auch belohnt. Wir haben, im Nachhinein betrachtet, „Katz und Maus" gespielt. Heute kann ich mich darüber herzlich amüsieren, aber damals war mir diesbezüglich nicht zum Lachen zumute! Ja, wir haben uns immer wieder auf das Neue gegenseitig abgelichtet und dabei derart ernst geguckt, als wären wir die ärgsten Feinde.


Konnten wir westdeutschen Grenzer die DDR-Grenzsoldaten allein schon aufgrund ihres Standortes, ihrer Tätigkeit und ihrer Uniform als „zum Osten gehörig" identifizieren, so war es äußerst schwer, Personen aufzuspüren, die auf westdeutschem Territorium für die „Gegenseite" arbeiteten und hier bestimmte Dinge „aufzuklären" hatten. Regelmäßig wurden wir angewiesen, auch in dieser Hinsicht besonders wachsam zu sein. Sobald es da geringste Zweifel gab, ob die bei „XY" angetroffene Person wirklich nur ein „harmloser Spaziergänger" war, wurden die Personalien überprüft. Das wussten natürlich auch die entsprechenden Dienststellen in der DDR ... und hatten jene Leute zuvor dermaßen „vorbereitet", dass sie in der Regel einer normalen Kontrolle standhalten konnten.

Dass auch in meinem zu überwachenden Grenzabschnitt in dieser Hinsicht noch viel mehr los war, als wir damals ahnten, das erfuhr ich nach der „Wende" von einem ehemaligen Oberstleutnant, der in Herrnburg bei den DDR-Grenztruppen diente. Er bestätigte, dass gelegentlich Schleusungen vorgenommen worden sind und zeigte mir Fotos von einem Tunnel im Bereich der Palinger Heide, der es ermöglichte, Personen unterirdisch die Grenzsperranlagen passieren zu lassen und diese dann bis kurz vor die Grenzlinie zu bringen.

Es war an einem schönen Herbsttag, als meine aus Lübeck-Eichholz stammende Freundin (die am 10.2.1987 meine Ehefrau wurde) und ich wieder mal den Entschluss fassten, mit unseren Hunden an der Grenze spazieren zu gehen. Frisch verliebt und in unserer Freizeit befindlich, waren wir darauf bedacht, möglichst abseits der Wege zu gehen, um unter uns und damit ungestört zu sein.

Wir hatten eigentlich nur noch Augen für uns, als es plötzlich im dichten Buschwerk zu knacken anfing. Was kam da auf uns zu? Ein Wildschwein? Ein schlechtes Gefühl beschlich uns, denn ein Mensch konnte sich doch eigentlich unmöglich hierher „verirren"! Und dann sahen wir uns – zeitgleich. Meine ungläubigen und schreckhaften Blicke spiegelten sich in den Augen jenes Mannes wider, der da nun plötzlich vor uns stand. Es war ein Herr zwischen 50 und 60 Jahren, durchaus seriös aussehend, aber man konnte die „Panik" spüren, die er scheinbar hatte. Mit eiligen Schritten schoss er förmlich an uns vorbei, die braune Aktentasche, die er trug, mit festem Griff haltend.

Was mochte ihr Inhalt sein? Ich ahnte, was „Sache" war. „Der kommt direkt von drüben", dachte ich angesichts der nahen Grenze. Was folgte, war ein Griff in meine Jackentasche. Verdammt, den Dienstausweis, den ich ansonsten immer bei mir hatte, konnte ich nicht spüren; er lag zu Hause in der Wohnung. Wie gerne hätte ich jetzt gesagt: „Halt, Zoll! Bitte weisen Sie sich aus!" Aber ich konnte mich nicht als Amtsträger zu erkennen geben. Eine einfache Zivilperson war ich, ohne „besondere Rechte". Und mein Zollhund ARCO, den ich bei mir hatte, trug kein Zollhund-Kenngeschirr. Er war ebenso „privat" unterwegs wie ich. Ihn zum Einsatz bringen durfte ich nicht, denn der gemeinsame Grundlehrgang an der Zollhundeschule Bleckede war noch nicht absolviert.

Und gerade jetzt hätte ich so gerne gerufen: „Halt, Zoll! Halt, oder ich setze den Hund ein!"

Nein, sich als Zöllner zu „outen", wäre sicher nicht ratsam gewesen, schließlich hatte ich weder Dienstpistole noch Funkgerät dabei. Was blieb übrig, als diesen Mann an uns vorbei zu lassen? Schlecht habe ich mich gefühlt, denn eine gründliche Personenkontrolle (insbesondere durch „gewisse" Dienststellen) wäre unzweifelhaft von Nöten gewesen! Wir konnten nichts anderes tun, als dem Mann möglichst unauffällig zu folgen. Und dann war er plötzlich weg, wie vom Erdboden verschluckt. Mein Verdacht, dass ich / wir jemanden angetroffen hatte(n), der kurz zuvor von Ost nach West über die Grenze geschleust worden war, erhärtete sich nach der „Wende" – denn der Ort der „Begebenheit" war unweit jener Stelle, wo der „Stasi-Tunnel" sich befand.

Nachtdienst an der Grenze – und mal wieder die „NM-Tour" (die Nach-Mitternacht-Schicht). Gut beraten war man, in den Stunden zuvor zu Hause etwas Ruhe und Schlaf gefunden zu haben, um nicht Gefahr zu laufen, frühzeitig die „Segel zu streichen", insbesondere bei Postierungen in den Schutzhütten. Und wer es sich dort allzu „gut" gehen ließ und den Heizbrenner ständig in Betrieb hatte, dem konnte die Wärme ganz schön zusetzen. Man musste daher immer für genügend Sauerstoffzufuhr sorgen. Da ich ohnehin nicht zur Kategorie der „Stubenhocker" gehörte und mitbekommen wollte, was sich „draußen" tat, verließ ich bereits nach kurzer Zeit den geschützten Ort, nahm meinen Hund und ging mit ihm „Patrouille". Es galt, „gute" Arbeit abzuliefern. Und die konnte man nach meinem Verständnis hauptsächlich direkt an der Grenze leisten. Hier sah man(n) was von „drüben" – und hier hörte man(n) jene Geräusche, welche den in den Hütten „postierenden" Kollegen eventuell entgingen. Nicht nur die Stimmen der Tierwelt waren interessant, sondern auch die gesprochenen Worte des „Gegners", die man hin und wieder gut vernehmen konnte. Bei bestimmten Bedingungen sogar auf relativ große Entfernung. Die Grenzaufklärer, die manchmal auch nachts „feindwärts" Dienst taten und sich nur wenige Meter entfernt von mir befanden, waren darauf bedacht, ihre Anwesenheit nicht zu verraten – aber die vielen anderen Soldaten (oftmals Wehrdienstleistende) unterhielten sich und schwatzten sich gelegentlich den „Frust vom Leib". Manches Wort konnte ich gut hören. Das Vernommene wies mich immer wieder darauf hin, dass drüben auch "nur" deutsch gesprochen wurde – unsere Muttersprache! Dennoch betrachteten wir uns als Gegner und hätten bei Eintritt bestimmter Situationen vielleicht sogar aufeinander geschossen.

Dass es „knallte", kam nicht selten vor. Dann hieß es, besonders aufmerksam zu sein und zu beobachten, was sich „drüben" tat. Oftmals waren es Handleuchtzeichen, die in die Höhe zischten. Was hatten sie zu bedeuten? Auch aus Langwaffen wurde hin und wieder gefeuert. Meistens wird Wild das Ziel gewesen sein. Aber da ich es nicht genau wusste, musste ich damit rechnen, dass nicht auf ein Tier, sondern auf einen Menschen geschossen worden war. Umso schärfer „spitzte" ich dann meine Ohren. Aufgrund des vielen Buschwerks war nur bedingt sichtbar, was sich auf der „anderen Seite" tat. Dennoch war es zumeist hörbar, wenn sich die Streifentätigkeit bei den Grenztruppen der DDR erhöhte. Was und ob tatsächlich etwas „los" war, entzog sich leider oftmals der Kenntnis von Zoll und BGS.

Es war noch dunkel, als mein Kollege Wilhelm S. und ich am Morgen des 16.Januar 1984 an der Abschrankung Eichholz eintrafen. Zu einer Doppelstreife eingeteilt, hatten wir uns vorgenommen, hier kurz nach dem „Rechten" zu schauen, um dann das Denkmalschutzgebiet zu durchqueren und weiter in Richtung Schwedenschanzen zu marschieren.

Schnee bedeckte den Boden. Es knirschte bei jedem unserer Schritte unter unseren Füßen. Solange man in Bewegung blieb, spürte man die Kälte nicht so sehr. Gut, dass mein Kollege und ich geplant hatten, nicht schon jetzt eine längere Postierung einzulegen. Vor Ort schien alles in Ordnung. Wir waren kurz davor, den Bereich an der Abschrankung wieder zu verlassen, als ich meine Taschenlampe zückte und routinemäßig den Bereich hinter dem Schlagbaum ausleuchtete. „Schau mal – da sind Fußspuren im Schnee", sagte ich zu meinem Kollegen, nachdem die Lichtstrahlen auf die Abdrücke gefallen waren. So wie es aussah, hatte ein Mensch die Grenzlinie passiert und sich in Richtung Metallgitterzaun begeben. Wir versuchten festzustellen, ob es auch Spuren gab, die wieder in Richtung Bundesrepublik führten, konnten hier bzw. in der näheren Umgebung aber nichts entdecken.

Es war genau 07.26 Uhr, als ich zum Funkgerät griff und die Sprechtaste drückte. „Baldur von Baldur 2/56 kommen", kam es über meine Lippen. Mit erregter Stimme berichtete ich der Funkleitzentrale von unserer Sichtung. Klar war, dass wir nun von unserer Tagesplanung abweichen mussten, denn wir hatten jetzt weisungsgemäß vor Ort zu bleiben und zu beobachten, ob sich „drüben" etwas tat. Nachdem es hell geworden war, kam ein Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes angeflogen. Er blieb eine Zeit lang über uns in der Luft stehen. Von „oben" war zu erkennen, dass jemand das Minenfeld, welches zwischen den beiden Metallgitterzäunen lag, durchquert hatte. Da das Erdreich offensichtlich unversehrt war, hatte er dabei keine Mine zur Detonation gebracht.

Bevor wir uns nähere Gedanken darüber machen konnten, wie das möglich gewesen sei, kam nun diesseits des MGZ ein Geländewagen der DDR-Grenztruppen angefahren. Einer der Insassen stieg auf den „P3" und fotografierte aus dieser Position heraus die im Minenfeld zu sehenden Spuren. Zusammen mit anderen Grenzsoldaten kam er dann zur Grenzlinie, um auch hier „Beweise" zu sichern.

Was sich nun genau ereignet hatte, erfuhren wir schon kurze Zeit später - kehrte der „Grenzgänger" doch noch am selben Tag in die Bundesrepublik zurück.


Trotz der Tatsache, dass die meisten der von mir zwischen 1983 und 1990 geleisteten Dienste für mich schließlich relativ ruhig verlaufen sind, fand ich die Streifentätigkeiten stets sehr spannend. Man musste jederzeit aufmerksam sein, Augen und Ohren weit offen halten. Ich brauchte kein Radio (dessen Benutzung im Dienst ohnehin verboten war), um mich nachts wach zu halten, dafür hatte ich viel zu großen Respekt: Zum einem vor den Vorgesetzten, die einen oftmals und in unregelmäßigen Zeitabständen aufsuchten (und letztlich kontrollierten) und zum anderen natürlich vor meiner Aufgabe, die eine bestmögliche Erfüllung forderte. Die Anspannung, die ich insbesondere bei den Nachtdiensten verspürte, half mir, die dunklen Stunden gut zu überstehen und die Müdigkeit weitgehend zu unterdrücken. Hatte ich trotzdem mal einen „toten" Punkt erreicht, so war ich sogleich wieder vollkommen fit, wenn ich plötzlich ein Geräusch vernahm. Und davon gab es viele. Welchen „Lärm" ein umher schleichender Igel verursachen kann, das wusste ich bereits im Laufe der ersten Nachtschicht!

Einen gehörigen Schrecken musste ich manches Mal während meiner Postierungen an der Bahnlinie Lübeck-Herrnburg erleben, wenn die Ruhe der Nacht jäh unterbrochen wurde durch eine Rotte Wildschweine, die sich mit fürchterlichem Getöse daran machte, über den Wasser führenden Landgraben nach hüben oder drüben zu wechseln. Obwohl mir klar war, dass ich mich nicht in einer gefährlichen Lage befand, da ich auf einem Hochstand postierte, so pochte das Herz in solchen Momenten doch sehr „hochtourig". Und dann gab es die Begegnungen mit dem wilden Borstenvieh während des Streifenmarsches, meistens auf dem Weg zwischen dem Gasthaus „Waldkrug" und den „Kleinen Schwedenschanzen", wo mein zu überwachender Grenzabschnitt endete. Dieses Zusammentreffen barg immer große Gefahren in sich, besonders in jener Zeit, wo die „Schwarzkittel" Nachwuchs (Frischlinge) dabei hatten. Ein Angriff hätte unter schlimmsten Umständen tödlich ausgehen können.

Auch nicht besonders angenehm war es, wenn Nebel oder andere Bedingungen die eigenen visuellen oder akustischen Wahrnehmungen zum Teil erheblich beeinträchtigten. Ein ausgesprochen schlechtes Gefühl verspürte ich, nachts bei stürmischem Wetter durch den Wald zu gehen. Wären mir Menschen entgegen gekommen, ich hätte sie wohl erst bemerkt, wenn sie direkt vor mir erschienen wären. Es hätte sich auch jemand für mich unhörbar von hinten nähern können, denn das starke Rauschen der sich im Winde bewegenden Blätter/Äste und das Knarren der Baumstämme hätten jegliche Schrittgeräusche übertönt. Hier hieß es, sich ganz auf den Hund zu verlassen.

Und es gab sicherlich auch Schöneres, als bei extremer Kälte / Hitze, starkem Regen oder Gewitter durch die Gegend zu streifen – das ging oftmals ganz schön aufs Gemüt! Selbst eine nur 5-stündige Streife konnte dann zu einer kleinen Ewigkeit mutieren. Ja, es gab Momente, da hatte man die „Schnauze voll" und wünschte, man könnte recht bald wieder heim.

Aber ich erlebte auch sehr viele schöne Tage und Ereignisse - sie bestärkten mich in meiner Auffassung, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Dazu zähle ich u.a. die teils sehr anregenden und interessanten Gespräche mit den in- und ausländischen Grenzbesuchern, die meist noch sehr unerfahren waren, was das Thema „Grenze" anbelangte. Wenn diese dann nach einer ausführlichen Grenzeinweisung wieder in Richtung Stadtzentrum gingen oder fuhren und ihr Wissen erweitert hatten, so freute ich mich mit ihnen.

Ja, wir „Grenzer" waren gern gesehen, nicht nur bei den vielen Gästen aus aller Welt, sondern auch bei der hiesigen Grenzbevölkerung. Diese Anwohner wussten die Präsenz des Zolls und BGS sehr zu schätzen, weil ihre Sicherheit durch die vielen Grenzstreifen erheblich erhöht wurde. Und auch mir gelang es hin und wieder, vom rechten Wege Abgekommene auf frischer Tat zu ertappen und diese schließlich der Landespolizei zu übergeben.

Zum anderen konnte ich mich für den Dienst in der Natur begeistern: Morgens den Sonnenaufgang ganz bewusst zu erleben und die vielen Tiere zu beobachten, die hier im „grünen Band" Deutschlands im Schutz des Grenzgebietes ihre Heimat hatten (bzw. immer noch haben), das alles war überaus schön und faszinierend. Ob nun z.B. Fuchs, Dachs, Ringelnatter oder der hübsche Eisvogel: sie konnten hin und wieder ganz aus der Nähe betrachtet werden. Wer sich für Fauna und Flora interessiert, der wurde hier fündig und innerlich tief befriedigt.

So schön die Naturbeobachtung auch ist, so musste sie jedoch sofort beendet werden, wenn die „Lage" es erforderte. Relativ häufig kam es vor, dass unkundige und/oder übermütige (teilweise auch alkoholisierte) Menschen aus der Bundesrepublik die Grenze überschritten und sich auf DDR-Gebiet begaben. Sie mussten mit ihrer Festnahme durch DDR-Grenzsoldaten, insbesondere in Grenznähe befindlichen Grenzaufklärern und einer eventuellen Verurteilung durch ein DDR-Gericht rechnen. Es wurde dann seitens der Zoll- und/oder Bundesgrenzschutzbeamten versucht, diese Personen zur sofortigen Rückkehr auf das Bundesgebiet zu bewegen, wo sie dann nach Überprüfung ihrer Personalien eingehend in den Grenzverlauf eingewiesen wurden, um einen Wiederholungsfall zu vermeiden.


Viel aufregender waren jene Fälle, bei denen es um die Überwindung der Grenze von Ost nach West ging. Meistens haben wir westdeutschen Grenzer nichts von den Bestrebungen dieser DDR-Bürger mitbekommen, da sie in der Regel noch im Hinterland oder dem ca. 5 km tiefen Sperrgebiet von Kräften der Volks- oder Transportpolizei, der Grenztruppen oder ihren freiwilligen Helfern an der erfolgreichen Durchführung ihrer Bemühungen gehindert wurden. Nur ein kleiner Prozentanteil von ihnen schaffte es in den sogenannten „Schutzstreifen", der von westlicher Seite teilweise eingesehen werden konnte. Und die Chance, die Sperranlagen zu überwinden und die letzten Meter bis zur eigentlichen Grenzlinie unverletzt und erfolgreich zurückzulegen, war für diese Menschen ausgesprochen gering. Umso schneller schlug mein Herz, wenn ich Zeuge eines Grenzalarms wurde! Ein solcher ereignete sich meist während der Nachtstunden. Was für eine Aufregung in meinem Innern, wenn ich plötzlich das Ertönen eines Signalhorns hörte und eine rote oder grüne Rundumleuchte signalisierte, dass irgendetwas oder irgendwer den Alarm ausgelöst haben musste. Es dauerte dann auch nicht lange, bis sich eine rege Streifentätigkeit bei der DDR-Grenztruppe entwickelte und ihre Angehörigen alles taten, um einen „Grenzdurchbruch" zu verhindern.


Es gibt Dinge, die brennen sich für immer in die Seele ein –diese damalige Trennlinie zwischen Ost und West hat es bei mir geschafft. In manchem Traum befinde ich wieder an „meiner" Grenze, zusammen mit meinen Schäferhunden ARCO und ARIE. Sie leben längst nicht mehr, sind jedoch auf diese Weise für mich immer noch gegenwärtig.

Fühle ich mich bezüglich des Falls des „Eisernen Vorhangs" nun als Gewinner oder Verlierer? Sowohl als auch, lautet meine Antwort. „Verloren" habe ich meinen Traum-Beruf, denn ich bin damals nur wegen des für mich sehr interessanten Dienstes an der Grenze zur DDR zum Zoll gegangen. Es war nicht einfach für mich, den Wegfall meines Aufgabenfelds zu akzeptieren, dafür war ich zu sehr mit dem Herzen bei der Sache. Und so brauchte ich eine längere Zeit, um mich im Hamburger Freihafen zurechtzufinden. Nun waren wieder die Kenntnisse im Zollrecht gefragt - Wissen, das mir im Laufe der vergangenen Jahre abhandengekommen war oder welches ich nun nicht mehr gebrauchen konnte, da sich auf der gesetzlichen Schiene Manches geändert hatte. Ich musste meinen dienstlichen Wissensstand vollkommen erneuern – ein „Upgrade" oder bloßes „Update" (wie man heute im „IT-Zeitalter" zu sagen pflegt) hätte nicht ausgereicht. Dennoch war für mich das neue Tätigkeitsfeld ein ganz anderer Beruf, mit dem ich mich zunächst nicht so recht anfreunden konnte. Ja, ich trauerte der Vergangenheit hinterher. Wahrscheinlich ging es manchen damaligen Berufssoldaten der DDR-Grenztruppen ähnlich; auch von ihnen fielen einige in ein „tiefes Loch", aus dem ein Wiederaufstieg dann gar nicht so einfach war. Es bedurfte schließlich nicht unerheblicher psychischer Kraft, um wieder mit aufrichtiger Freude in den (neuen) Berufsalltag zu starten.

Insofern bin ich ein Gewinner der „Wende", denn ich habe gelernt, dass man sich den Veränderungen stellen und diese meistern muss. Wie wichtig es ist, neue Erfahrungen zu sammeln und sich geistig weiter zu entwickeln, das hat mich jene Zeit nach dem Fall der Grenze gelehrt. Trotz dieser „Erkenntnis" hat mich das Thema „Grenze" bis heute nicht losgelassen. Wenn meine Zeit es erlaubt, kehre ich gerne mal wieder in den ehemaligen Grenzraum zurück und schwelge in Erinnerungen. Dann gehe ich auch dort spazieren, wo einstmals die Soldaten der DDR-Grenztruppen entlang patrouillierten. „Sperrzone" und „Schutzstreifen" gibt es glücklicherweise nicht mehr. Wir alle, welche die Freiheit für eines der wertvollsten Güter im Leben halten, haben durch den Wegfall dieser so unmenschlichen Grenze gewonnen. Und dafür sollten wir immer dankbar sein!


Tod an der Grenze - die Opfer klagen an

oben: Fotoarbeit "Tod an der Grenze / Mauer - die Opfer klagen an"

Grenzschilder


oben: dieses Schild befand sich am Landgraben im Raum zwischen der Abschrankung Lübeck-Eichholz/Herrnburg und dem Bahnübergang Lübeck-Eichholz/Herrnburg

Manfred Krellenberg in einem Dienstwagen des Bundeszollverwaltung2017

Ich hoffe, dass Ihnen mein Beitrag zum Thema „innerdeutsche Grenze bei Lübeck" gefallen hat. Falls Sie mich kontaktieren möchten, können Sie das über Mailadresse mkrelle@t-online.de tun. Gerne können Sie mich auch anrufen (am besten abends) unter Telefonnummer 015752829387.

Sie möchten noch mehr erfahren / wissen zu diesem Themengebiet? Ich empfehle  Ihnen die nachfolgenden Museen / Ausstellungen / Dokumentations-Stätten:

Bundespolizei

oben: Ausstellung auf dem Gelände der Bundespolizeiakademie in Lübeck. Siehe hierzu: http://www.luebeck.de/tourismus/kultur/museen/bundespolizeimuseum/index.html

Außenanlage Grenzhus SchlagsdorfGrenzhus Schlagsdorf

oben: Die Außenanlage unweit vom Grenzhus Schlagsdorf ist genauso sehenswert wie das Grenzhus selbst. Nähere Infos unter: http://www.grenzhus.de/

Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup

oben: Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup. Siehe hierzu: www.grenze-luebeck.

Nachfolgend gezeigte Fotos von der deutsch-niederländischen Grenze sind Ende der 1980er-Jahre anlässlich der temporären Zugehörigkeit zu einer MZVE (mobile Zollverstärkungs-Einheit) aufgenommen worden:


oben: VW T3 des Zolls beim deutsch-niederländischen Grenzübergang Getelo

Grenzübergang Achterberg-Springbiel

oben und unten: Grenzübergang Achterberg / Springbiel

Grenzübergang Achterberg-Springbiel im Sommer 1989

Zoll an deutsch-niederländischer Grenze bei Achterberg-Springbiel im Sommer 1989

oben: ZOLL am Grenzübergang Achterberg / Springbiel


oben: Grenzübergang Halle /Laagse Paal an der deutsch-niederländischen Grenze


oben: Zollamt Wielen-Vennebrügge


oben und unten: Grenzübergang Bad Bentheim Autobahn

Kontrollstelle Grenzübergang Bad Bentheim Autobahn

deutsch-niederländischer Grenzübergang Bad Bentheim Autobahn

Grenzübergang an deutsch-niederländischer Grenze im Sommer 1989

oben: Grenzübergang an deutsch-niederländischer Grenze in Nordhorn Frensdorfer Haar

Schild an deutsch-dänischer Grenze im Raum Flensburg

oben: Schild an deutsch-dänischer Grenze bei der "Schusterkate" im Raum Flensburg

Schusterkate

deutsch-dänischer Grenzübergang bei HarrisleeHarrislee

Kupfermühle

Kupfermühle





 
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